Im Herbst 2006 gaben die legendären Rolling Stones in der fast intimen Atmosphäre des New Yorker Beacon Theatre zwei unvergessliche Konzerte. Mit Leidenschaft, Dynamik und Sexappeal ließen sie die Stimmung in dem ehrwürdigen Gemäuer überkochen und bewiesen einmal mehr, warum sie als die beste Rockband der Welt gelten. Regiemeister Martin Scorsese – im Filmgeschäft selbst eine Legende – hat die phänomenale Rockshow der Musikgiganten auf Film gebannt und dafür die besten Kameramänner Hollywoods verpflichtet. Ergebnis ist ein mitreißendes Hör- und Seherlebnis der Superlative.

Unvergessliche Bilder zu legendärer Musik - „Shine a Light“ zeigt die Stones in Bestform. Garniert wird das spektakuläre Musikhighlight durch Gastauftritte von Christina Aguilera, Blues-Legende Buddy Guy und White-Stripes-Frontman Jack White sowie locker eingestreute Interviewschnipsel aus den Anfangsjahren der Band.

In der Presse

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Shine a Light

von Hans Messias

Ein Vorspiel in Schwarz-Weiß: Martin Scorsese gibt sich aufgeregt wie ein kleiner Junge. Jetzt muss alles stimmen. 16 Kameras müssen in ihre Position gebracht und 17 Kameramänner (inkl. Chef-Kameramann Robert Richardson) angewiesen werden. Natürlich hat das Licht zu stimmen; für eine Szene verlangt Scorsese nach einer besonders hellen Ausleuchtung (wahrscheinlich „Sympathy For The Devil“), ein Techniker mahnt zu Vorsicht: „Wir würden Jagger verbrennen!“ Der Regisseur hat ein Einsehen: „Wir dürfen Mick Jagger nicht verbrennen!“ Die Aufregung steigt, weil Mick Jagger und seine „Rolling Stones“ noch immer nicht die Abfolge der Songs geliefert haben, an der Scorsese auch schon selbst herum gebastelt hat. Erst im letzten Moment liegt die Liste vor. Letzte Vorbereitungen, letzte Handgriffe, dann kann die Mega-Show beginnen. Eine Szene wie aus der Muppet-Show, in der Frosch Kermit als Impressario die Bühnenshow minutiös-hektisch plant und dann alles seinen anderen Gang nimmt. Nicht so bei Scorsese.

Der konzentriert sich auf zwei Auftritte der „Rolling Stones“ im New Yorker Beacon Theatre am 29. Oktober und 1. November 2006 anlässlich des 60. Geburtstags von Ex-Präsident Bill Clinton, der (zahlende) Gäste zu einem Benefiz-Konzert geladen hat. Kaum haben die „Stones“ ihr wohl lästiges Pflichtprogramm absolviert, Händeschütteln und andere Artigkeiten, geht die Post auch schon ab: für die „Stones“, für die Leute im Beacon Theatre, für die Kameraleute und für die Kino-Zuschauer, so sie denn „Stones“-Fans sind. Sie alle erleben einen der am furiosesten fotografierten und geschnittenen Konzertfilme der letzten Jahrzehnte, der sich, anders als Jonathan Demmes stilbildender „Talking Heads“-Film „Stop Making Sense“ (fd 24 845), nicht am Rhythmus der Musik und der Bühnenshow orientiert, sondern sich völlig auf die vier Akteure Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts konzentriert. In der fast manischen Nähe zu den Rock-Stars, die einige ihrer Klassiker zum Besten geben, liegt die Stärke des außergewöhnlichen Films: Er bildet Persönlichkeiten ab, die seit über 45 Jahren in nahezu unveränderter Formation im Rock-Geschäft sind, und versucht erst gar nicht, das Faszinosum zu erklären, sondern es schlicht zu bebildern. Dabei hilft die außergewöhnliche Nähe, die Scorsese im 2800 Plätze fassenden Beacon Theatre aufbaut – für die „Stones“ selbst muss das so etwas wie der Auftritt in einem kleinen Club gewesen sein. Sie haben sichtlich Spaß, ebenso wie Scorsese, der am Schneidetisch die Manierismen der einzelnen Band-Mitglieder herausstellt, ohne sie zu denunzieren. Der ewig jugendliche Jagger, der voller Agilität herumkaspert, sich für unwiderstehlich hält und es vielleicht sogar ist; Keith Richards, durchgeknallt wie eh und je und nie verlegen, auch einmal den „Macker“ zu geben; Ron Wood, etwas weniger exaltiert als seine Frontleute, der mit Freund Richards um den bandinternen Titel der besten „Stones-Gitarre“ wetteifert; Charlie Watts, der eigentlich Maler werden wollte und am ehesten das Bild eines britischen Opas erfüllt, der vielleicht doch einmal seine Ruhe haben möchte, auch wenn man es ihm nicht abnimmt, wenn er in die Kamera prustet und meint, „er wär’ jetzt doch zu alt für diesen Scheiß“.

Nach „The Last Waltz“ (fd 20 850), einem Mitschnitt des Abschiedskonzerts von „The Band“, der langjährigen Begleitband von Bob Dylan, der Dokumentation „No Direction Home – Bob Dylan“ (fd 37 408) und der Blues-Hommage „Feel Like Going Home“ (fd 36 554), die als Teil des Zyklus „The Blues“ entstand, den er (mit-)produzierte, hat sich Martin Scorsese längst als Verfechter der populären Musik des 20. Jahrhunderts einen Namen gemacht, mit deren wichtigsten Vertretern gearbeitet und ihr ihren kulturellen Stellenwert zugewiesen. Mit „Shine A Light“ setzt er sein Musik-Œuvre fort, wobei er behutsam Archivmaterial und aktuelle Interviews in den Film mischt, die rudimentär, aber doch präzise Auskunft über den Werdegang der „Rolling Stones“ geben; die Anfänge werden ebenso rekapituliert, wie Drogenexzesse und die ständige Frage nach dem Aufhören. Früher wie heute wiegeln die „Stones“ dies souverän ab und machen einfach ihr Ding. Dann ist es einfach schön zu sehen, wie Jagger Kusshände wirft und mit dem Allerwertesten wackelt, wie sich Richards und Woods nach erschöpfenden Soli in den Armen liegen, sich gegenseitig stützen und ausruhen. Alte Männer, die ihr Bestes gegeben haben. Begnadete Selbstdarsteller, die aus ihren Rollen keinen Hehl machen. Von dieser Süffisanz ist auch Scorseses Film durchdrungen, die sich auch darin niederschlägt, dass der Regisseur immer wieder Kameraleute bei ihrer Arbeit zeigen muss, denn die laufen ständig durchs Bild. Dadurch gelingen freilich auch so irritierende Aufnahmen wie jene, in der der kettenrauchende Richards plötzlich seine Zigarette ausspucken muss, weil er einen Gesangspart hat, oder in denen die Mitglieder der dienstältesten Rock-Band wirklich alt aussehen. Einer der schönsten Momente des Films ist der Gastauftritt von Blues-Legende Buddy Guy, der mit seiner Gitarrenkunst Richards und Wood glatt an die Wand spielt: ein noch älterer Mann mit noch mehr Freude an seinem Job und dem sichtlichen Spaß, es den „Youngsters“ zu zeigen.

Am Ende ist wieder der aufgeregte Scorsese zu sehen, der seine Stars am Bühnenausgang im besten Licht erscheinen lassen will. Doch die entschwinden wortlos in einem Taxi. Die Kamera fährt hoch und höher, der Hinterausgang des Beacon Theatre erscheint im Bild, dann der Straßenzug, dann der Stadtteil. Schlussendlich ist die Stadt zu sehen – New York, New York.





DETAILS

Shine a Light / Blu-ray

Blu-ray
Originaltitel: Shine a Light (Dokumentation, Musikfilm, USA 2007), ca. 122 Minuten
FSK ohne Altersbeschränkung
Blu-ray im Handel und als VoD seit 17.10.08

Als Einzeltitel/in einer Box erhältlich:

The Doors: When You're Strange & Shine A Light / Double Up Collection / Blu-ray

Extras

Featurette; Bonus Songs (Undercover of the Night, Paint it Black, Little T&A, I’m Free); Trailer; Wendecover

Ansicht Packshot

Darsteller

Mick Jagger
Keith Richards
Charlie Watts
Ron Wood

Stab

Regie: Martin Scorsese
Kamera: Robert Richardson, Andrew Lesnie, Stuart Dryburgh, Albert Maysles, Mitchell Amundsen, Robert Elswit, Tony Janelli, Ellen Kuras, Declan Quinn, Emmanuel Lubzki, Anastas Michos
Produktion: Steve Bing, Michael Cohl, Victoria Pearman, Zane Weiner

Technische Angaben

Bild: 1,78:1 (1080/24p FULL HD)
Sprachen/Ton: Englisch (5.1 DTS-HD Master Audio)
Untertitel: Deutsch, Französisch, Italienisch

TRAILERAUSWAHL

GROSS (640x360, 10.8 MB)
HD 720p Download (100.7 MB)
HD 1080p Download (147.6 MB)

Angaben zum Vertrieb

Bst.-Nr. 502186, EAN 4006680045399













 
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