Die 16-jährige Sabine (Jana Pallaske) zieht zu ihrem Vater (Andi Hoppe) in eine Berliner Hochhaussiedlung. Über ihren Mitschüler Eddi (Frank Droese) lernt sie die Clique um den 18-jährigen Kriminellen Micha (Toni Blume) kennen. Wenige Tage nach ihrer Ankunft stößt Sabine auf dem Heimweg mit Micha zusammen, der mit einem Messer in der Hand flüchtet. Einige Schritte weiter liegt ein Junge, tot in einer großen Blutlache, auf der Straße. Sabine ist wie gelähmt, behält ihre Entdeckung aber für sich. Am nächsten Morgen ist der tote Junge das Gesprächsthema Nummer eins an der Schule. Als Micha sie am Telefon bedroht, beginnt Eddi, sich um Sabine zu kümmern. Was das Mädchen aber nicht weiß: Eddi ist selbst in den Mord verstrickt und will herausfinden, was die "Zeugin" gesehen hat. Doch Micha wird die Sache langsam zu heiß: Er will Sabine loswerden. Die Situation spitzt sich mehr und mehr zu...

ALASKA.DE ist mit Sicherheit einer der aufregendsten Debütfilme des Jahres 2000: Filmisch brillant, emotional authentisch und mit inszenatorischer Kühnheit erzählt Regisseurin Esther Gronenborn die Tragödie eines Mordes unter Jugendlichen in einer Berliner Hochhaussiedlung und den Beginn einer zarten Liebesbeziehung, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt scheint. Der Film erzählt von Freundschaft, Lebensgier und von den Überlebensstrategien einer jugendlichen Clique am Rande einer Großstadt.

In der Presse

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Alaska.de

von Wolfgang M. Hamdorf

Vor dem stahlblauen Himmel heben sich die betonfarbenen Kiesplatten der Neubauten ab. Sabine steht verloren auf dem Bahnsteig. Sie hat genug vom ewigen Zank mit dem Geliebten ihrer Mutter und zieht zu ihrem Vater. Der wohnt in einer der großen Plattenbausiedlungen am Rande Berlins. Sabine findet hier eine raue Welt vor, in der sie als Neuankömmling nicht akzeptiert wird. Nicht in der Schule und schon gar nicht im Jugendclub. Ihr fällt es schwer, sich einzuleben, der Erlebnishorizont ihrer neuen Mitschüler liegt zwischen Schule, Arbeitslosigkeit und Kleinkriminalität - ein paar Drogengeschäfte, Diebstähle - , die Helden des Stadtteils haben ständig Ärger mit der Polizei. Auch Eddie zeigt Sabine zunächst die kalte Schulter. Alles ändert sich, als in einem Hinterhof ein türkischer Jugendlicher tot aufgefunden wird; ein Mord, in den offensichtlich neben Eddie seine besten Freunde Micha und Stefan verwickelt sind. Nur Sabine hat etwas gesehen, die Polizei ermittelt in der Schule. Jetzt beginnt Eddy, sich für sie zu interessieren, doch Sabine weiß nicht, dass es dabei um ihr Leben geht.

In den letzten Jahren haben verschiedene Filme über Jugendliche in den Vorstädten europäischer Metropolen Furore gemacht - sei es pointiert bezogen auf die politisch-soziale Dimension der Banlieues in Paris wie in „Haß“ (fd 31 571) von Mathieu Kassowitz oder auf die eher heitere Trostlosigkeit in den Vorstädten Madrids wie in „Barrio“ von Fernado Leon de Aranoa. Die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen in den modernen Wohnsilos wurde darin zur Metapher für die Versteinerung der Gesellschaft schlechthin, der nicht nur visionäre Aussichten abhanden gekommen sind. „alaska.de“ ist jedoch keine Sozialanklage, sondern zeigt den sozialen Realismus der Vorstadt als Thriller, mit einem fast beiläufigen Mord, einem Hauch Suspense und einer sympathisch unterkühlten Liebesgeschichte zwischen Heranwachsenden. Regisseurin Esther Gronenborn hat an der HFF in München Dokumentarfilm studiert und anschließend Musikvideos gedreht. In ihrem erster Spielfilm verbindet sie die genaue Beobachtung des sozialen Milieus mit der Ästhetik des Videoclips. Manchmal sind die Bilder extrem stilisiert, der Schnittrhythmus ist hektisch. Dabei zeigt sie die einst privilegierten Trabantenstädte der ehemaligen „Hauptstadt der DDR“ ohne den reißerischen Beigeschmack von Neonazis und Stasi-Greisen, die für gewöhnlich in Fernsehreportagen über Marzahn oder Hellersdorf Ost-Atmosphäre vermitteln sollen. Ähnlich wie „Vergiss Amerika“ (fd 34 546) greift auch „alaska.de“ die exotische Faszination des neuen wilden Ostens auf. Alaska im Märkischen Sand: dafür stehen die großen Versorgungsrohre vor der Stadt, die wie Pipelines aus der Weite Amerikas eine unbekannte Region am Rande Berlins durchziehen. An Esthers Gronenborns Inszenierung beeindruckt die Natürlichkeit, mit der sie ihre Protagonisten in Szene setzt, ihre brillante Arbeit mit den Laiendarstellern; besonders beeindruckend sind auch die beiden Hauptdarsteller Jana Pallaske und Frank Droese. Für beide war es die erste Arbeit im Film. „alaska.de“ lebt von seiner Authentizität.





DETAILS

Alaska.de

DVD
Originaltitel: Alaska.de (Drama, Deutschland 2000), ca. 86 Minuten
FSK 12
DVD im Handel seit 06.11.01

Extras

Trailer; Interviews mit Esther Gronenborn und Frank Droese

Darsteller

Jana Pallaske (Engel und Joe, Was nützt die Liebe in Gedanken)
Frank Droese (Anemonenherz)
Toni Blume
Nele Steffen

Stab

Regie: Esther Gronenborn
Drehbuch: Esther Gronenborn
Kamera: Jan Fehse
Produktion: Eberhard Junkersdorf

Technische Angaben

Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch (Surround Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch für Gehörlose, ausblendbar

TRAILERAUSWAHL

GROSS (640x360, 6.7 MB)

Angaben zum Vertrieb

Bst.-Nr. 500189, EAN 4006680022710







 
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