Torsten S., Marc Z., Peter G. und Jürgen H. haben eins gemeinsam: Sie wurden als Hochstapler entlarvt und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der eine trieb einen Familienvater in den Ruin, der Zweite zog mit ungedeckten Schecks durch Deutschland. Der Dritte organisierte als US-Major eine NATO-Sicherheitskonferenz und gab sich als persönlicher Freund von Joschka Fischer aus, während der Vierte Anteile eines Vermögens verkaufte, das nie existierte.
Vor der Kamera erzählen sie freimütig von ihren Taten. Die Hochstapler tun das, was sie am besten können; etwas, wofür sie vom Leben gleichermaßen belohnt und bestraft wurden: reden. Zum ersten Mal erzählen sie, wie sie belogen, betrogen und manipuliert haben. Ein Lehrstück über den Mechanismus des Lügens und die Gier.
In der Presse
KulturSPIEGEL | 21.08.2009
Der KulturSPIEGEL über "Die Hochstapler"
von Marianne Wellershoff
Stellen Sie sich vor, ein Anlageberater mit Privatflugzeug und diversen Aston Martins in der Garage bietet Ihnen an, ein paar Millionen in eine Mondreise zu investieren. Zwanzig Personen sollen mit einem ausrangierten Space Shuttle zum Mond fliegen und dafür jeweils fünf Millionen Dollar zahlen. Über die Fernsehrechte kommen nochmal 500 Millionen rein. Wenn Sie sich an dem Projekt beteiligen, können Sie richtig Gewinn machen.
Na, sind Sie dabei? Oder denken Sie: Was ist das denn für ein Spinner?
Der Vorstand einer internationalen Versicherung war dabei, und er überzeugte andere finanzkräftige Freunde, Geld in den Mondflug zu stecken. Sie wollten aus ihrem vielen Geld noch viel mehr Geld machen und waren zu geblendet vom Glanz des Geldes, um den kastenbebrillten Hochstapler Jürgen Harksen zu durchschauen.
Harksen ist der prominenteste der vier Betrüger, die der Filmemacher Alexander Adolph für seine spannende, aufschlussreiche und auch unterhaltsame Dokumentation „Die Hochstapler“ zu ihren Taten und zu ihrer Lebensgeschichte interviewt hat. Mark Z. mietete auf Mallorca eine Villa und stellte ein „Zu verkaufen“-Schild vors Haus. Ein Käufer gab ihm 250.000 Mark Schwarzgeld - für einen auf Spanisch verfassten Mietvertrag, den er für den Kaufvertrag hielt. Torsten S. gaukelte Bürgermeister, Hoteliers und Polizei vor, eine Nato-Sicherheitskonferenz in einer kleinen Stadt in Mecklenburg-Vorpommern zu organisieren.
Warum glauben die Menschen solche Geschichten? Wieso rufen sie nicht bei der Nasa an, wieso lassen sie Verträge nicht übersetzen? Wieso, rätselt Harksen immer noch, macht jemand riskante Finanzinvestitionen, um sich vom Gewinn ein Flugticket erster Klasse nach Sardinien zu gönnen, wenn er sich das Ticket doch sowieso leisten könnte? Naiv, gierig, geblendet, doof – so sehen die Hochstapler ihre Opfer. Sich selbst hingegen stellen sie als smart, geschickt und am Ende als die eigentlichen Opfer dar, die nach einer traumatischen Kindheit vom Märchenleben träumten und dann zum Leben im Lügenmärchen verdammt waren.
Aber kann man glauben, was professionelle Geschichtenerzähler berichten? Adolph, zweimaliger Grimme-Preisträger, hat nachrecherchiert, was die vier ihm in die Kamera erzählten, und nur im Film belassen, was er belegt fand. Unglaublich ist es, was man in diesen 85 Minuten über Täter und Opfer erfährt. Aber schließlich haben auch Hunderttausende von Bankern und Anlegern gedacht, sie könnten mit faulen Hypothekenkrediten ein Vermögen machen.
Die Hochstapler / Arthaus Collection Dokumentarfilm
DVD DigiBook 1er
Originaltitel: Die Hochstapler (Dokumentation, Deutschland 2006), ca. 84 Minuten
FSK ohne Altersbeschränkung
DVD im Handel seit 21.08.09
Extras
Interview mit Regisseur Alexander Adolph, Booklet mit Hintergrundinformationen zum Film, Alle Filme der Arthaus Collection im Überblick
Stab
Regie: Alexander Adolph und Nina Ergang
Drehbuch: Alexander Adolph
Kamera: Estela Sanz Posteguillo, Susanne Schüle
Produktion: Silvia Koller, Nicole Leykauf
Technische Angaben
Bild: 1,78:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch Stereo Dolby Digital
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
TRAILERAUSWAHL
Angaben zum Vertrieb
Bst.-Nr. 502637, EAN 4006680050065
