Drehbuchautor Steven (Albert Brooks) ist verzweifelt. Sein Studio feuert ihn, und schon glaubt jeder, er habe seinen kreativen Zenit überschritten. Das Schlimmste ist, dass er es selbst auch glaubt. Da kann ihm nicht einmal mehr seine Frau (Andie MacDowell) helfen. Eigentlich wäre er ein Fall für die Götter. Aber wo findet man die heute schon? Im Internet? Wohl kaum. So bleibt Steven nichts anderes übrig, als sich Rat von seinem supererfolgreichen Kumpel und Kollegen Jack (Jeff Bridges) zu holen. Der erzählt ihm von einer Muse, die ihn immer wieder von neuem inspiriert. Eine Muse? Ganz genau! Eine jener entzückenden Töchter Zeus', die sich ausschließlich den schönen Künsten widmet.
Doch als die Muse Sarah (Sharon Stone) tatsächlich vor Stevens Haus steht, sind zwei Dinge klar - erstens: Guter Rat ist teuer, und zweitens: Sein ruhiges Leben hat ein Ende!

Ihr Kuss ist Gold wert. Und mindestens genauso teuer!

In der Presse

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Die Muse

von Oliver Rahayel

„I’m the king of the room“, sagt der Drehbuchautor Steven Phillips am Ende seiner Dankesrede, die bis dahin mit Lachern und Applaus bedacht wurde. Gerade hat er den „Humanitarian Award“ für sein bisheriges Schaffen erhalten. Doch über das leicht variierte James-Cameron-Zitat vom „Oscar“-Abend – ein Satz, den man schon dem „Titanic“-Regisseur übel genommen hatte, obwohl es sich dabei ebenfalls um ein Zitat handelte – lacht niemand. Diese Schlappe erweist sich als erstes Indiz für die grassierende Unzufriedenheit Hollywoods mit Stevens Arbeit. „The edge“ fehle ihm plötzlich, sagt man ihm, jene Brillanz, die gute Autoren vom Durchschnitt unterscheidet. Was aber tun im Herzen der mächtigsten Filmindustrie, wenn einem die Ideen ausgehen? Kein Produzent fühlt sich verpflichtet, einem ausgelaugten Autor Arbeit oder Geld zu geben, denn das Filmgeschäft ist eines der härtesten überhaupt. Doch Steven wird bald erkennen, dass nicht alleine er eine kreative Durststrecke durchleidet. Sein ungleich erfolgreicherer Freund Jack gibt ihm die Adresse einer Muse, einer echten Göttertochter also, die in der Lage ist, ermüdete Geister zu inspirieren. Steven hält sich nicht lange mit Zweifeln auf, sondern trifft sich mit jener Sarah und erfüllt ihr als Gegenleistung alle noch so teuren und exaltierten Wünsche. Zumal immer wieder Leute auftauchen, die der Muse aus Dankbarkeit wertvolle Geschenke machen, da sie ihnen zu einem gewissen Renommée verholfen hat: James Cameron, Martin Scorsese, Rob Reiner. Seine Frau beobachtet Stevens Treiben mit Unbehagen, doch kaum wird ihr die Muse vorgestellt, ändert sie ihre Meinung. Sie lässt sich inspirieren, ihre Karriere als Plätzchenbäckerin wieder aufzunehmen und für Hollywoods Top-Restaurant zu arbeiten, was prompt gelingt. Auch Steven hat plötzlich scheinbar brillante Ideen, während Sarah dem familiären Haushalt bedrohlich nahe kommt.

Dass Sarahs Ideen eigentlich recht absurd sind, so wie auch Scorsese mit eigenartigen Gedanken befruchtet wird, etwa, ein Remake von „Wie ein wilder Stier“ zu drehen, diesmal mit einem dünnen Hauptdarsteller, fällt niemandem so recht auf. Die Muse wirkt wie ein Plazebo, eine Arznei, die nur dadurch wirkt, dass man an sie glaubt. Dass die genannten Starregisseure den Humor besitzen, sich in einer solchen Geschichte selbst zu spielen und ein wenig zu persiflieren, gehört zu den vielen schönen Details der ebenso leichtfüßigen wie sarkastischen Hollywoodsatire, für die Albert Brooks als Hauptdarsteller, Regisseur und Co-Autor verantwortlich ist. Brooks schickt seinen Steven Phillips durch einen Spießrutenlauf aus offener Aversion und schweren Neurosen, kaum dass sein Ruf geschädigt ist – Hollywood als Jahrmarkt der Feindseligkeiten. Nicht nur die geschliffenen Dialoge treiben die Geschichte voran. Immer wieder sind es geringe Veränderungen des Tonfalls oder der Mimik, die den geschassten Autor aufhorchen lassen, da sie die hinter geschäftsmäßiger Höflichkeit versteckte Wahrheit offenbaren. Ein kleines Wort seines Produzenten zu viel, und schon ist dessen Haltung klar, eine kleine Randbemerkung dort, und Jeff Bridges als Jack kann sich nicht mehr herausreden. Mit diesem feinen Gespür für menschliche Ausdrucksformen zeichnet sich Albert Brooks als erfahrener Komiker aus. Vor drei Jahrzehnten begann er als Stand-Up-Comedian für diverse US-Fernsehshows, spielte bald danach kleine Kinorollen (auch in Scorseses „Taxi Driver“, fd 19 983). Seine eigenen Kinoprojekte haben hierzulande bisher wenig Aufsehen erregt. Anders in Hollywood, wo Brooks nicht nur Regiestars für Cameo-Auftritte und Bridges für eine Nebenrolle, sondern auch Sharon Stone und Andie MacDowell für die Hauptrollen gewinnen konnte. Während MacDowell wie so oft die etwas betuliche Hausmutter spielt, macht Sharon Stone nach ihren Ausflügen ins schwer dramatische Fach („Casino“, fd 31 816; „Last Dance“, fd 31 980) als Muse ihrem Drang nach Komödien Luft. Dazu gewann Brooks den in diesem Bereich eher unerfahrenen Elton John für den Score, und tatsächlich schaffte es der Schnulzenveteran, mit seinen Streichern einige unaufdringliche dramaturgische Akzente zu setzen.





DETAILS

Die Muse

DVD
Originaltitel: The Muse (Komödie, USA 1999), ca. 92 Minuten
FSK ohne Altersbeschränkung
DVD im Handel seit 26.09.00

Extras

Interviews mit Albert Brooks; Sharon Stone; Andie MacDowell; Rob Reiner; James Cameron (Deutsche Untertitel einblendbar); Fotogalerie; Making of (Deutsche Untertitel einblendbar); Hinter den Kulissen; Trailer (Deutsch; Englisch)

Darsteller

Sharon Stone (Basic Instinct, Casino, Total Recall)
Albert Brooks (Rendezvous im Jenseits, Kopfüber in Amerika)
Andie MacDowell (Green Card, Vier Hochzeiten und ein Todesfall)
Jeff Bridges (König der Fischer, The Big Lebowski)

Stab

Regie: Albert Brooks
Drehbuch: Albert Brooks
Kamera: Thomas Ackerman
Produktion: Herb Nanas

Technische Angaben

Bild: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsche (in der Originalfassung nicht ausblendbar)

TRAILERAUSWAHL

GROSS (640x360, 9.7 MB)

Angaben zum Vertrieb

Bst.-Nr. 500080, EAN 4006680018492







 
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