Frauenheld Arthur Goring (Rupert Everett) genießt das Leben in der Londoner High Society in vollen Zügen. Er ist der krönende Gast jeder Party, die Frauen liegen ihm zu Füßen. Vor allem pflegt er jedoch die Liebe zu sich selbst. Wäre da nicht sein Vater, dem das extravagante Leben seines Sohnes schon lange ein Dorn im Auge ist. Er drängt Arthur, endlich zu heiraten!
Doch damit nicht genug: Arthurs Freund, Mustergatte Sir Robert Chiltern, bittet ihn um Hilfe. Er wird von der verführerischen Mrs. Cheveley erpresst. Ihre Forderung: Entweder er unterstützt ein mehr als fragwürdiges Projekt, oder sie wird das dunkle Geheimnis um seinen politischen Aufstieg lüften. Dadurch würde Chiltern nicht nur einen beruflichen Tiefschlag erleiden, sondern auch vor seiner tugendhaften Ehefrau das Gesicht verlieren. Um die Rettung seines Freundes bemüht, verfängt sich der Lebemann Arthur Goring schnell selbst in einem Netz aus Lügen, Versuchungen und tückischen Heiratsfallen und gerät in höchst prekäre Situationen...
Brillant - komisch - gemein.
In der Presse
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in perfekter Ehemann
von Marc Kieppe
London, 1895: Zum Höhepunkt der Saison lädt das prominenteste Polit-Pärchen der Stadt, die Frauenrechtlerin Lady Gertrude Chiltern und ihr Ehemann Sir Robert, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, zum feierlichen Empfang in ihrem Anwesen. Doch kaum sind die obligatorischen Schmeicheleien und Komplimente ausgetauscht, wird Robert noch vor dem Dinner von der aus Wien angereisten Mrs. Laura Cheveley mit einem ganz und gar unappetitlichen Anliegen erpresst: Sollte er bei seiner Parlamentsrede am nächsten Tag nicht entgegen seiner Überzeugung für das von ihr finanziell unterstützte argentinische Kanalprojekt stimmen, lüfte sie das dunkle Geheimnis um seinen politischen und gesellschaftlichen Aufstieg. Als Robert zunächst empört ablehnt, zaubert sie einen Brief aus der Tasche, der ihn tatsächlich als Verräter eines Kabinettsgeheimnisses an Baron Arnheim, einen privaten Investor beim lange zurückliegenden Suezkanalbau, überführt. Um seine berufliche und private Existenz fürchtend, willigt der bislang für seine besondere Ehrlichkeit und Integrität berühmte Vorzeige-Politiker in den schmutzigen Deal ein – allerdings nur solange, bis er seiner inzwischen über seine Meinungsänderung informierten Ehefrau in die Hände gerät, die ihm mit schwerem moralischen Geschütz zu einer erneuten Kehrtwendung zwingt. Verzweifelt wendet sich Robert an seinen besten Freund Lord Arthur Goring und gesteht ihm die ganze Geschichte. Arthur, der bis auf seinen notorisch über seine Nichtsnutzigkeit nörgelnden Vater Lord Caversham von allen geliebte Vollblut-Dandy, trifft sich daraufhin mit seiner Ex-Verlobten Mrs. Cheverley, die ihm eine Wette vorschlägt: Wenn Robert seinen Prinzipien treu bleibt und das Kanalprojekt im Parlament wie geplant ablehnt, wird sie den diskreditierenden Brief an Arthur zurückgeben – andernfalls muss dieser sie auf der Stelle heiraten.
Im Hause Chiltern ist derweil die Bombe geplatzt: Von ihrer skrupellosen Ex-Schulkameradin Laura über das gesamte grausame Ausmaß der Sünde ihres vermeintlich „idealen“ Mannes unterrichtet, setzt die gestrenge Gertrude ihren Robert kurzerhand vor die Tür und schreibt ihrerseits eine leicht als amouröses Angebot missverständliche Notiz an Arthur, in der sie ihn um ein geheimes Treffen unter vier Augen bittet. Doch bevor es dazu kommt, wird der „Liebesbrief“ von der erneut Morgenluft witternden Mrs. Cheveley gestohlen und an Robert weitergeleitet. Während nun ganz London der Rede des Staatssekretärs am Abend entgegenfiebert, bedarf es Arthurs gesamter Clever- und Coolness, um den ihn umgebenden Intrigendschungel zu lichten und am Ende schließlich auch sein privates Liebesglück an der Seite der ihm seelenverwandten Schwester Roberts, Miss Mabel, zu finden.
Das am 3. Januar 1895 am Londoner Royal Theater (Haymarket) mit großem Erfolg uraufgeführte Stück „An Ideal Husband“ gilt nicht nur aufgrund der offensichtlichen Anspielungen auf die bis heute nicht restlos aufgeklärten finanzpolitischen Beziehungen zwischen dem englischen Premierminister Benjamin Disraeli und dem Baron Lionel de Rothschild beim Ankauf der Suezkanalaktien im Jahr 1875 als politischste unter Wildes Gesellschaftskomödien. Vor allem im antibürgerlich-abgeklärten Verhalten und in den ironisch-sarkastischen Kommentaren der schillernden Außenseiter-Figur des radikal individualistischen und freidenkenden Dandy Goring – hier brillant verkörpert von Rupert Everett – wird in Grundzügen immer wieder Wildes Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Umständen des viktorianischen Zeitalters, insbesondere an der zunehmenden Verflechtung von Politik und Hochfinanz deutlich, die er 1891 in seinem Essay „The Soul of Man under Socialism“ ausführlich formulierte. In Wildes nach eigenen Aussagen „bestem“ (und wie die Demontage des konservativen Londoner Bürgermeisterkandidaten Lord Archer vor einigen Wochen zeigt, auch heute noch aktuellem) Stück lassen sich auch biografische Hintergründe ausmachen – etwa in der Erpresserproblematik: War Wilde nach seinem späten Coming out in England schon durch den die Homosexualität unter Strafe stellenden Criminal Law Act von 1885 zu einem riskanten Doppelleben gezwungen, so wurde er ab 1893 Opfer von Erpressern, denen einigen seiner Briefe an seinen jungen Liebhaber Lord Alfred „Bosie“ Douglas in die Hände geraten waren.
Dem zweigleisig arbeitenden Film- und Theaterregisseur Oliver Parker, dessen Shakespeare-Adaption „Othello“ (fd 31 853) in erster Linie an einer allzu statischen, theatralischen Inszenierung scheiterte, gelingt hier dank vielfältiger Schauplatzwechsel, einer äußerst agilen Kamera und einer variationsreichen Montage die kinogerechte, moderne Umsetzung eines zweifelsohne nicht einfach zu bewältigenden Bühnenstoffes. Einige Kürzungen resp. Ergänzungen des Originaltextes und inhaltliche Veränderungen – Chilterns flammende Parlamentsrede ist im Film tatsächlich auch zu sehen – sowie die gegenüber dem Stück unterschiedliche Gewichtung einzelner Charaktere – die von Minnie Driver gespielte Mabel Chiltern rückt zugunsten der Liebesgeschichte mit Lord Goring mehr in den Vordergrund – gehen weder zu Lasten der sprachlichen Raffinesse noch der gesellschaftskritischen zeitlosen Botschaft Wildes. Dabei kann Parker auch auf ein bis in die kleinsten Nebenrollen exzellent besetztes und grandios aufspielendes Schauspielerensemble bauen.
Ein perfekter Ehemann
DVD
Originaltitel: An Ideal Husband (Komödie, USA / Großbritannien 1998), ca. 93 Minuten
FSK ohne Altersbeschränkung
DVD im Handel seit 22.08.00
Extras
Trailer; Making of; Interviews: Rupert Everett; Minnie Driver; Cate Blanchett; Jeremy Northam; Julianne Moore; Oliver Parker (Englisch mit ausblendbaren deutschen Untertiteln); B-Roll
Darsteller
Rupert Everett (B. Monkey, Shakespeare in Love)
Cate Blanchett (Paradise Road, The Talented Mr. Ripley)
Julianne Moore (Short Cuts, Psycho, Cookies Fortune)
Jeremy Northam (Emma, Mimic, Amistad)
Stab
Regie: Oliver Parker
Drehbuch: Oliver Parker, nach dem gleichnamigen Stück von Oscar Wilde
Kamera: David Johnson; B.S.C.
Produktion: Barnaby Thompson, Uri Fruchtmann, Bruce Davey
Technische Angaben
Bild: 1,85:1 (16:9 widescreen)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital )
Untertitel: Deutsch (nicht ausblendbar)
TRAILERAUSWAHL
Angaben zum Vertrieb
Bst.-Nr. 500070, EAN 4006680018195
