Innenansichten eines Großkonzerns: ENRON steht für den größten Finanzskandal der US-Wirtschaftsgeschichte. Der Energieriese, bei dessen Insolvenz 20.000 Mitarbeiter ihren Job verloren, gründete sein Geschäft auf konsequenter Bilanzfälschung. Schamlos hatten die verantwortlichen Manager sich bis zum letzten Moment persönlich bereichert und unter anderem zwei Milliarden Dollar an Pensionsfonds ihrer Mitarbeiter vernichtet.
Mit einem Blick hinter die Kulissen, der die Zuschauer in Fassungslosigkeit versetzt, schlüsselt diese Dokumentation den Börsenskandal detailliert auf und präsentiert neue, brandaktuelle Ergebnisse zu dessen Ursache. Ein schonungsloser Börsenkrimi, der für den Oscar® und den Grand Jury Prize beim Sundance Film Festival nominiert wurde.
In der Presse
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Enron - The Smartest Guys in the Room
von Oliver Rahayel
Als die Ermittlungen gegen den US-Energiekonzern Enron bereits liefen, wurden einige Gespräche mitgeschnitten, die von einem kaum fassbaren Unternehmer-Zynismus zeugen. Nachdem ein Enron-Mitarbeiter von der Energiekrise in Kalifornien berichtet hatte und auch davon, dass dort inzwischen die Wälder brennen, entgegnete der andere, von ihm aus könne das ganze Land im Ozean verschwinden, Hauptsache, die Profite stimmten. Zum Hintergrund: Enron profitierte nicht nur direkt von der Krise; der Konzern hatte diese bewusst hervorgerufen. Dass die Enron-Manager Betrüger und Lügner waren, denen es um nichts anderes als den eigenen Reichtum ging, hatte man schon bald nach dem Bankrott im Jahr 2001 begriffen. Mit welchem Ausmaß an Skrupellosigkeit sie dabei vorgingen, dass sie weder auf ihre Firma noch auf Angestellte, Anteilseigner, die amerikanische Ökonomie oder das Leben der Menschen die geringste Rücksicht nahmen, wurde jedoch erst im Rahmen der Ermittlungen deutlich, die Bethany McLean und Peter Elkind in einem Buch veröffentlichten und die dieser Dokumentarfilm nun ausbreitet. Der Film ist schnell, bunt und unterhaltsam und sammelt alles erdenkliche Material: von Zeitungsausrissen über Tonbänder, Fernsehausschnitte, öffentliche Befragungen und Firmenvideos bis zu selbst gedrehten Interviews mit Ex-Enron-Mitarbeitern, Anwälten und Journalisten. Unterlegt ist das Ganze mit inhaltlich passender Rock-Musik – und bleibt doch konsequent sachlich und journalistisch. Alex Gibney, vielfach ausgezeichneter Journalist und Musikvideomacher, hat die riesige Menge an Material sowie die zahlreichen Aspekte des Falls nach Themen und Chronologie geordnet, wobei er aber auch Abweichungen zuließ. So erwähnt er ein Experiment aus den 1960er-Jahren, das zeigt, wie bei normalen Menschen das Böse erweckt werden kann: indem sie den Kontakt zu denen verlieren, denen sie Leid antun; ein Versuch von Gibney, das „Verbrechen des Jahrhunderts“ bei Enron zu erklären. Aus demselben Grund geht der Film, wie auch das Buch, den Biografien der Haupttäter nach, von Kenneth Lay, einem Selfmademan aus einfachen Verhältnissen, und Jeffrey Skilling und Andrew Fastow, die brillantesten Köpfe ihrer Uni-Jahrgänge.
Dass „die smartesten Jungs im Raum“, so der Untertitel, dermaßen spektakulär untergingen, ist nicht bloß eine ökonomische Pleite. Der Fall wirft ein schales Licht auf die gesamte US-Wirtschaft sowie die Politik, die sie viel zu lasch kontrolliert. Erst das machte den Fall Enron zu einem nationalen Skandal. Zum einen wurde Enron von der Euphorie der New Economy getragen, deren Verfechtern man alles glaubte, solange sie optimistisch klangen. Am Ende gerieten deshalb auch einige der weltgrößten Banken ins Visier der Ermittler, weil sie allzu gierig oder leichtgläubig oder beides waren. Die einstigen Wall-Street-Helden von Enron propagierten, dass Energie eine Ware sei, handelbar an der Börse, offen für Spekulationen. Der Fall Enron zeigt deshalb auch, dies ist die zentrale These des Films, die Grenzen der Selbstregulierung des Markts auf, obwohl Konservative von Reagan bis Bush nicht aufhören, das Gegenteil zu verkünden. Erst die erzwungene Deregulierung des kalifornischen Strommarkts ermöglichte es Enron, die Strompreise dort nach eigenem Gusto zu gestalten. Dabei gingen die Manager so weit, ganze Kraftwerke stillzulegen und dadurch eine Knappheit zu erzeugen, um die Preise in astronomische Höhen zu treiben. Nicht zuletzt führte diese Energiekrise zur Abwahl des Gouverneurs, der hier ebenfalls zu Wort kommt, und seiner Ablösung durch Arnold Schwarzenegger. Dass die Kontakte zwischen dem Bush-Clan und dem Enron-Chef Kenneth Lay stets eng waren, verschärft die Diskussion noch.
KulturSPIEGEL | 21.08.2009
Der KulturSPIEGEL über "Enron"
von Daniel Sander
Die Geschichte ist atemberaubend, erschütternd, ein Wirtschaftskrimi, wie er spannender nicht sein könnte. Hollywoodstoff. Doch was Regisseur Alex Gibney in seinem für den Oscar nominierten Dokumentarfilm "Enron – The Smartest Guys in the Room" erzählt, ist blanke Realität. Der bittersten Sorte.
Es geht um einen der schockierendsten Wirtschaftsskandale der Geschichte, den spektakulären Bankrott des riesigen amerikanischen Energiekonzerns Enron, der 2001 innerhalb von Wochen wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel – denn endlich hatte sich die Öffentlichkeit zu fragen begonnen: Wie macht Enron eigentlich seine angeblichen Gewinne?
Das konnten auch die Top-Manager der Firma nicht beantworten. Wie auch? Es gab sie nicht. Statt echter Gewinne wurden in den Bilanzen potentielle Profite geltend gemacht – das heißt, allein aus der Aussicht darauf, in zehn Jahren mit einer bestimmten Investition mal 50 Millionen Dollar verdienen zu können, konnte man heute schon Gewinne verbuchen. Die beliebte Mark-to-market-Strategie – ein Traum aller kreativen Buchhalter. Die immensen Verluste, die Enron durch absurde Fehlinvestitionen einfuhr, wurden kurzerhand bei diversen, eigens zu diesem Zweck gegründeten Partnerfirmen abgeladen, so dass es schien, als würde bei Enron nie ein Cent verloren gehen.
Kühl, pointiert und ohne große moralische Belehrungen erzählt Gibneys Film diese traurige Geschichte der Unmoral. Es kommen ehemalige Manager zu Wort, die ernsthaft daran geglaubt haben, das Richtige zu tun. Man habe schließlich im Sinne der Aktionäre gehandelt. Man erlebt den Ex-CEO Jeffrey Skilling, wie er vor dem Untersuchungsausschuss sitzt und ungerührt behauptet, er habe ja gar nicht gewusst, was in seiner Firma so vor sich ging. Dass er unmittelbar vor dem öffentlichen Bankrott und dem Zusammenbruch des Aktienkurses gekündigt und noch Enron-Aktien im Wert von vielen Millionen Dollar verkauft hat – das sei eine private Angelegenheit gewesen.
Nachdem sich die Manager noch selbst bereichern konnten, haben 20000 Menschen durch die Insolvenz ihren Job verloren, dazu noch ihre sicher geglaubte Altersvorsorge – etwa zwei Milliarden Dollar an Renten- und Pensionsfonds haben sich nach dem Crash in Nichts aufgelöst. Es ist eine Geschichte, die wütend macht, die erzählt werden muss. Vielleicht helfen Filme wie dieser, dass sie sich nicht wiederholt.
Enron - The Smartest Guys in the Room / Arthaus Collection Dokumentarfilm
DVD DigiBook 1er
Originaltitel: Enron – The Smartest Guys in the Room (Dokumentation, USA 2005), ca. 105 Minuten
FSK ohne Altersbeschränkung
DVD im Handel seit 21.08.09
Extras
Geschnittene Szenen, Making of, Highlights von der ENRON-Show, Booklet mit Hintergrundinformationen zum Film, Alle Filme der Arthaus Collection im Überblick
Stab
Regie: Alex Gibney
Drehbuch: Alex Gibney, Peter Elkind
Kamera: Maryse Alberti
Produktion: Alison Ellwood, Alex Gibney, Jason Kliot, Susan Motamed
Technische Angaben
Bild: 1,78:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Englisch 5.1 Dolby Digital
Untertitel: Deutsch
TRAILERAUSWAHL
Angaben zum Vertrieb
Bst.-Nr. 502635, EAN 4006680050041
