Kinder des Himmels

Auf dem Nachhauseweg werden dem zehnjährigen Ali die Schuhe seiner Schwester Zahra gestohlen. Eine Katastrophe, denn wie Ali selbst besitzt Zahra nur ein einziges Paar, ohne das sie nicht zur Schule gehen kann. Aus Angst vor der Strafe ihres Vaters beschließen die Geschwister, den Eltern nichts zu erzählen und sich Alis Schuhe zu teilen. Von nun an muss Zahra nachmittags so schnell sie kann nach Hause laufen, damit Ali mit den Schuhen zur Schule kann. Leider schafft sie es nicht immer rechtzeitig, so dass ihr Bruder immer häufiger fehlt. Doch dann wird ein Laufwettkampf aller Schulen ausgeschrieben, bei dem es ein paar Turnschuhe zu gewinnen gibt ...

Regisseur Majid Majidi erzählt in wunderschönen Bildern über die Alltagssorgen und Ängste zweier Kinder im iranischen „Gottesstaat“. Der einfühlsame Film wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als Bester Film auf dem Filmfestival in Montreal 1997 und mit einer Oscar®-Nominierung 1999 in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film.

In der Presse

film-dienst | film-dienst.kim-info.de

Kinder des Himmels

von Oliver Rahayel

Das Leben zweier Geschwister, in dem ein paar Schuhe über Wohl und Weh entscheiden kann, steht im Mittelpunkt. Der zehnjährige Ali lebt mit seiner Schwester Zahra und den Eltern in einer winzigen Wohnung in einem Armenviertel Teherans. Während der Vater lautstark Zucker für die Teeküche zerhackt, in der er arbeitet, suchen die Kinder – schriftlich, da sich die Familie nur einen Raum teilt – nach einer Lösung für ein Problem, das ihr Leben völlig durcheinander bringt. Ali hat auf dem Rückweg vom Schuster Zahras Schuhe verloren. Nun müssen sich die Geschwister, in der Annahme, die Eltern könnten keine neuen Schuhe kaufen und um dem Ärger aus dem Weg zu gehen, Alis alte Turnschuhe teilen, damit beide die Schule besuchen können – was immense Probleme im Timing nach sich zieht. So sieht man sie immer wieder durch die engen, kahlen Gassen des Viertels rennen, um zwischen Schule und Heim die Schuhe zu tauschen, und das jeden Tag.

Regisseur und Autor Majid Majidi zeigt deutlich das Wohlstandsgefälle innerhalb der Stadt. Dort, wo sich die Reichen in ihren Palästen mit Mauern umgeben, beginnt der Vater, begleitet von seinem Sohn, Arbeit als Gärtner zu suchen, doch regelmäßig wird ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen. Auf der anderen Seite zeigt der Film, dass die Armut nach unten keine Grenze kennt. Als die Kinder die verlorenen Schuhe an den Füßen einer Mitschülerin wieder sehen und das Mädchen nach Hause verfolgen, entdecken sie, dass deren Familie noch ärmer als ihre eigene ist und sich von Almosen ernährt. Der Film liefert zudem einen beklemmenden Eindruck vom Alltag in einem islamischen „Gottesstaat“, der den nahezu militärischen Drill seiner uniformierten Kinder in der Schule als selbstverständlich erachtet. Der Marathonlauf für Schüler, bei dem Ali ein Paar Turnschuhe gewinnen kann, wirkt wie ein seltenes profanes Ereignis. Die Erzählweise ist von einer nüchternen Sichtweise geprägt, die ohne melodramatische Züge auskommt. Die Kinder tragen wie die Erwachsenen weitgehend wort- und regungslos ihr Schicksal, das schon durch die Wahl der Schauplätze ziemlich ausweglos erscheint: Die fahlweißen, engen und menschenleeren Gassen, die das Viertel prägen, wirken wie ein Labyrinth, in dem sich jeder Ortsfremde heillos verirren würde. Majidi verwendet kaum Großaufnahmen, sondern bevorzugt Totalen, die die Verlorenheit seiner Figuren augenfällig macht, die zum Teil von Laien dargestellt werden. Die Gesellschaftskritik bleibt zwar hier wie in anderen Kinderfilmen aus dem Iran, die derzeit in die westlichen Kinos gelangen, subtil genug, um nicht die Zensur auf den Plan zu rufen, zumal die unverstellte Sicht der Kinder von übergreifenden Gedanken frei ist. Doch gerade für den ausländischen Zuschauer wirken die Verhältnisse, die hier als alltäglich dargestellt werden, beklemmend und abweisend. Gleichzeitig tauchen immer wieder kleine Gesten auf, die der rigiden Ordnung etwas Menschliches entgegensetzen, von Passanten und Händlern etwa, die den Kindern zur Seite stehen.

Majidi, der einige autobiografische Züge in seine Geschichte einbaute, hatte es nicht leicht, für seinen Film die finanziellen Mittel aufzutreiben, konnte am Ende aber einen großen Erfolg an den einheimischen Kinokassen verbuchen. Bereits mit seinem Regiedebüt „Baduk“ (1991) eckte er bei der Zensurbehörde an, da der Film Schmuggel und Menschenhandel an der Grenze zu Pakistan thematisierte. Wie dieser erzählen auch seine darauf folgenden Filme in kleinen, ausschnitthaften Dramen von den alltäglichen Schwierigkeiten des Überlebens: „The Father“, „The Last Village“ und „God Is Coming“. „Kinder des Himmels“ ist eine Gelegenheit, den Regisseur, der zur jüngsten, aufstrebenden Generation iranischer Filmemacher zählt, zu entdecken.





DETAILS

Kinder des Himmels

DVD
Originaltitel: Bacheha-ye aseman (Drama, Family, Iran 1997), 84 Minuten
FSK ohne Altersbeschränkung
DVD im Handel seit 09.03.07

Extras

Fotogalerie; Biografie und Bemerkungen von Majid Majidi; Produktionsnotizen; Presseheft als DVD-ROM-Part; Trailer, Wendecover

Darsteller

Mohammad Amir Naji (Baran, Beed-e majnoon)
Fereshte Sarabandi (Behesht ja-ye digari ast)
Bahare Seddiqi
Amir Farrokh Hashemian

Stab

Regie: Majid Majidi
Drehbuch: Majid Majidi
Kamera: Parviz Malekzaade
Produktion: Mohammad Sared Seyedzadeh

Technische Angaben

Bild: 1,78:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch (Mono Dolby Digital), Persisch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch

Angaben zum Vertrieb

Bst.-Nr. 501581, EAN 4006680039237







 
© 2019 STUDIOCANAL GmbH. Alle Angaben ohne Gewähr.