Mikrokosmos - Das Volk der Gräser

Kleinste Tiere kommen ganz groß raus: Eine der erfolgreichsten Kino-Dokumentationen aller Zeiten! Vier Jahre streiften die Regisseure mit hoch differenzierten Makro-Objektiven durch eine französische Wiese und fanden eine faszinierende Welt jenseits der menschlichen Wahrnehmung. Als wäre der Betrachter selbst auf die Größe eines Mikro-Organismus geschrumpft, erscheinen Grasflächen wie undurchdringliche Urwälder, Tautropfen so groß wie Ballons und lassen die Miniatur-Hauptdarsteller wie Kreaturen in einem Fantasy-Thriller wirken.

Vielfach ausgezeichnet: 4 Césars, 2 Goldene Palmen/Cannes und 1. Preis in Locarno

Walt Disney wurde durch Mikrokosmos zu seinem Kassenschlager "A Bugs Life (Das große Krabbeln)" inspiriert.

In der Presse

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Mikrokosmos - Das Volk der Gräser

von Hans Messias

Ein kurzer Blick über die Landschaft, dann taucht die Kamera ein in einen undurchdringlichen Dschungel, sucht sich ihren Weg durch Urwaldriesen, Gestrüpp und Laubwerk. Fremdartige Geräusche dringen ans Ohr: Es ist Morgen, der Tag erwacht. So könnte ein ambitionierter Dokumentarfilm anfangen, der mit den entlegensten Gefilden unserer Erde vertraut machen will, doch der "Drehort" von "Mikrokosmos" ist ein kleines Wiesenstück irgendwo in Südfrankreich, die Szenerie ist eigentlich vertraut und stellt sich doch exotisch und bizarr vor den Makroobjektiven der Kameras dar.

Die Biologen Nuridsany und Pérennou bringen den Zuschauern die Welt der Insekten nahe, sehr nahe. Stets ist man auf Augenhöhe mit den Tieren, die überdimensional die Leinwand füllen. Ein Wassertropfen erscheint als Kosmos, die von der Sonne ausgedorrte Erde gleicht einer Landschaft nach einem Erdbeben, Regentropfen schlagen mit gewaltiger Kraft ein. "Mikrokosmos" zeigt, wie die einzelnen Akteure (Raupen, Spinnen, Käfer, Fliegen etc.) sich diesen Naturgegebenheiten angepaßt haben, wie sie den oft lebensgefährlichen Alltag meistern. Dabei sind faszinierende Bild- und Tonaufnahmen entstanden, kann der zuschauende Mensch die Welt für Augenblicke durch die Facettenaugen eines Insekts wahrnehmen und - wichtiger noch - wird zum genauen Hinsehen gezwungen.

Da sich der Film fast jeden Kommentars enthält, kann der oft oberlehrerhafte Eindruck herkömmlicher Naturfilme erst gar nicht entstehen. Doch der Film, der die große Welt der kleinen Tiere feiert, hat einige andere Tücken. Zwar vermeidet er weitgehend die Vermenschlichung seiner "Darsteller", dazu ist die Spezies Insekt auch kaum geeignet, doch er bezieht wiederholt die Vorurteile bzw. Erwartungen des Zuschauers in seine Naturbetrachtungen mit ein. So ist der Marienkäfer weitgehend niedlich und tapsig; die Spinne tückisch, eine Eigenschaft, die die bedrohlich aufwallende Filmmusik noch zu unterstreichen versucht, und die Wanderung der Passionsraupen putzig (daß sie schmerzhafte Allergien verursachen können, erfährt der Zuschauer nicht). Auch vor der Inszenierung von Wirklichkeit scheuen die beiden Biologen nicht zurück. So wird der Kampf zweier Hirschkäfer mit einem solchen (im Tonstudio aufgenommenen) Getöse unterlegt, daß man glauben könnte, ein ganzer Wald wäre in Aufruhr, und ein Scarabäus muß ziemliche Fleißarbeit verrichten und sich einem (Intelligenz-)Test unterziehen. Hier übertreiben die Macher ein wenig und tuen zu viel des Guten, indem sie mit Humor die Brücke zwischen Mensch und Insekt schlagen wollen. Ansonsten ist ihnen allerdings ein recht ansehnlicher Dokumentarfilm gelungen, einer, den man zweifellos nicht alle Tage zu sehen bekommt, entführt er doch in eine scheinbar vertraute und doch so wunderbar fremde Welt. Ein kleines Wunder ist auch, das "Mikrokosmos" einen deutschen Verleih bekommen hat. Die Zuschauer müssen entscheiden, ob sich diese Initiative auszahlen wird, oder ob der "Große Preis der Technik in Cannes 1996" der einzige Lohn für die viele Mühe bleibt.





DETAILS

Mikrokosmos - Das Volk der Gräser

DVD
Originaltitel: Mikrocosmos: Le peuple de l´herbe (Dokumentation, Frankreich / Schweiz / Italien 1996), ca. 72 Minuten
FSK ohne Altersbeschränkung
DVD im Handel und als VoD seit 04.10.05

Extras

Trailer; Wendecover

Stab

Regie: Claude Nuridsany, Marie Pérennou
Drehbuch: Claude Nuridsany, Marie Pérennou
Kamera: Claude Nuridsany, Marie Pérennou, Thierry Machado, Hugues Ryffel
Produktion: Jacques Perrin, Christophe Baratier, Yvette Mallet

Technische Angaben

Bild: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Angaben zum Vertrieb

Bst.-Nr. 501101, EAN 4006680034140







 
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