Die Musikerin Miriam spielt Trompete in einer Berliner Band. Sie ist glücklich mit ihrem Freund Pierre, einem Franzosen, der als Forscher an einem medizinischen Institut arbeitet. Doch als sie auf den geheimnisvollen John trifft, der gerade aus Simbabwe nach Deutschland gekommen ist, um nach den Spuren seiner Großmutter zu fahnden, wird ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Ihre Liebe zu Pierre ist unverändert, doch John zieht sie magisch an ...
Sensible Dreiecksgeschichte mit „James Bond“-Darsteller Daniel Craig in der Hauptrolle! Neben dem hochkarätigen Cast überzeugt das einfühlsam inszenierte Drama durch atemberaubende Bilder und einen tollen Soundtrack!
In der Presse
film-dienst | film-dienst.kim-info.de
Obsession
von Thilo Wydra
Berlin, Mitte der 90er Jahre. Eine Frau und zwei Männer, drei Menschen auf der Suche: nach sich selbst, nach ihrem eigenen Weg, nach ihrer Liebe vor allem. Miriam ist Anfang zwanzig und mit Leib und Seele Musikerin. In der Kirche nimmt sie Orgel-Unterricht, in der schrillschrägen Frauenband "Berlin United" spielt sie Trompete und singt, und wenn sie allein ist, nimmt sie das Akkordeon, um auf dem Balkon zu spielen. Ihr Leben hält sie in Schnappschüssen per Kompaktkamera fest, ganz gleich, wo und wie. Miriam ist mit Pierre zusammen, einem französischen Mediziner, dessen Lieblingsbeschäftigung der Marathonlauf ist. Sie scheinen grundverschieden, doch sie lieben sich. Als Miriam eines Tages John begegnet, einem englischen Steinmetz mit Paß aus Zimbabwe, der in Berlin den Spuren seiner Familie nachgeht und außer einer alten Fotografie, die einen Hochseilläufer zeigt, der im Jahre 1928 die Niagarafälle überquert hat, nichts in der Hand hat - da scheint die stabile Partnerschaft mit Pierre plötzlich bedroht, gerät ins Wanken: Miriam fühlt sich auch zu John hingezogen, erzählt Pierre jedoch nichts davon und vermag es vor allem nicht, einen der beiden für immer loszulassen.
Nach der Literaturverfilmung "Das serbische Mädchen" (fd 28 754), zu der Motive der gleichnamigen Novelle von Siegfried Lenz die Vorlage lieferten, und dem epischen Historienstoff um "Kaspar Hauser" (fd 30 634) hat sich Peter Sehr nun des Sujets der klassischen Dreieckskonstellation à la Truffauts "Jules und Jim" (fd 10 930) angenommen und dies in einen deutsch-französischen Kontext eingebettet. Um es gleich vorwegzunehmen: Es gelingt dem Film die seltene Gratwanderung zwischen unterhaltsamer Leichtigkeit und nachdenklich stimmender Melancholie, wobei er deutsch-französische Mentalitäten und Denkstrukturen miteinander verwebt, ohne in sich umzukippen oder etwa in ein überzeichnetes Extrem zu verfallen. Peter Sehr geht seinem Thema in leisen Zwischentönen nach, die er immer wieder um Nuancen sachte verschiebt und variiert, so daß die Dreiecksgeschichte trotz ihrer steten räumlichen Sprünge (Berlin-Burgund-Paris) und der diversen Handlungsstränge plausibel bleibt. Nur einige wenige Längen haben sich durch die ausführliche Strukturierung der verschiedenen Stränge eingeschlichen, doch davon mag man rasch absehen.
Dramaturgisch wird das Wechselbad der Gefühle, das permanente innere Schwanken Miriams, glaubhaft umgesetzt und in lebendigen, lebensnahen Dialogen formuliert. Daß diese emotionale Extremsituation Miriams in der Inszenierung nicht überstrapaziert wird und etwa einen kitschigen Charakter annimmt, sondern als ernstzunehmende, existentielle Lebenslage eines jungen Menschen beschrieben ist, macht mithin den Reiz dieser anrührend charmanter Liebesgeschichte aus.
"Obsession" verfügt auch über drei außergewöhnliche Schauspieler, die das subtile Spiel der verhaltenen Augen-Blicke und der behutsam sich vortastenden Gesten vortrefflich interpretieren. Heike Makatsch ist hierbei zweifelsohne die Überraschung schlechthin, denn fernab vom kolportierten "Girlie-Image" durch einschlägige Teenie-Sendungen wie "Bravo TV" oder "Heike Makatsch - Die Show" hat Sehrs einfühlsame Regie eine darstellerische Leistung aus ihr hervorgeholt, die sie zu einer seriösen Schauspielerin macht. Ihre Miriam ist letztlich eine ganz normale junge Frau, die sich unverhofft in einer Situation wiederfindet, in die sie eher zufällig geschlittert ist. Ihre Hilflosigkeit und Überforderung, die innere Auseinandersetzung mit der Entscheidung für oder gegen Pierre - das vermag Heike Makatsch mit einer frappierenden Natürlichkeit und Unmittelbarkeit darzustellen, die für sie einnimmt. Nicht minder gut ist die Darstellung des englischen Theaterschauspielers Daniel Craig, der hier sein Spielfilmdebüt gibt, und des französischen Shooting-Stars Charles Berling ("Ridicule", fd 32 465; "Love etc.", fd 32 574). Mit beiden sympathisiert der Zuschauer, beiden würde man ein stetes Zusammensein mit Miriam wünschen, obgleich John der aktive, der offensivere Part ist. Charles Berlings Pierre ist der leisere, zurückhaltendere der beiden unfreiwilligen Konkurrenten, er ist passiv im positiv konnotierten Sinne, ist für Miriam der ruhende, ausgleichende Pol im hektisch-schnellebigen Großstadtleben. Ergänzt wird das Ensemble durch Seymour Casell und Allen Garfield, die ein kauziges jüdisches Brüderpaar spielen, in deren ungemein detailfreudig und liebevoll ausstaffierter Schneider- und Puppenstube mit ihren überlebensgroßen mechanischen Fröschen, Schweinen und Krokodilen John Zuflucht sucht, da ihm die Abschiebung droht.
"Obsession", in zurückgenommenen, doch kraftvoll emotionsgeladenen Bildkompostionen fotografiert, erzählt eine hymnisch gehaltene Utopie, die zu leben der Film geradezu auffordert. Sobald man aufhört, seine Träume zu leben, seine ureigenen Utopien immer wieder Realität werden zu lassen, verliert man das (Lebens-)Ziel aus den Augen, verliert man auch den Halt, den das Leben so dringlich erfordert. Für diesen Lebensentwurf - der sich ja nicht zuletzt in dem Hin- und Hergerissensein Miriams wiederfindet, in ihren unsicheren, leicht verstohlenen Blicken, die sie mal Pierre, und dann wieder John zuwirft - hat Peter Sehr mit der finalen Kameraeinstellung des Hochseilläufers über dem tosenden, tiefblauen Abgrund der Niagarafälle eine der schönsten und poetischsten Metaphern gefunden, die das Kino seit langem gesehen hat. Auf seinen Schultern trägt der Artist eine Frau, die John schließlich auch Aufschluß über seine Familie gibt. Unabhängig von der schwindelerregenden Höhe ist es das Gleichgewicht, das für das Paar zählt. Findet es sein Gleichgewicht, so kann es nicht fallen. Ähnliches gilt auch für Miriam, die zwar noch auf der Suche ist, vielleicht aber schon eine leise Ahnung davon hat, daß ihr Leben in ihrer Utopie beginnt, daß sie erst ihr eigenes Gleichgewicht finden muß, bevor sie sich auf anderes konzentrieren kann. "Für mich ist die Liebe ein poetischer Raum", sagt Sehr, und diesen Raum hat er denn auch visuell konsequent gestaltet, in einem intelligent-unterhaltsamen Genrefilm mit Tiefgang und Esprit.
Obsession
DVD
Originaltitel: Obsession (Drama, Romance, Deutschland / Frankreich 1997), ca. 99 Minuten
FSK 12
DVD im Handel seit 30.11.07
Extras
Fotogalerie; Interview mit Daniel Craig; Making of; Trailer
Darsteller
Daniel Craig (Casino Royale, Road to Perdition, München)
Heike Makatsch (Gripsholm, Liebe deine Nächste, Tatsächlich … Liebe, Männerpension)
Charles Berling (Nelly & Monsieur Arnaud, Meine Heldin)
Seymour Cassel (Ein unmoralisches Angebot, Die Royal Tenenbaums, Unzertrennlich)
Stab
Regie: Peter Sehr
Drehbuch: Peter Sehr, Marie Noëlle
Kamera: David Watkin
Produktion: Wolfgang Esterer
Technische Angaben
Bild: 1,78:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch, mehrsprachige Originalfassung (Stereo Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch
TRAILERAUSWAHL
Angaben zum Vertrieb
Bst.-Nr. 501855, EAN 4006680042046
