Erfolg haben, heißt viel Geld scheffeln. Auch Seth Davis (Giovanni Ribisi) grübelt, wie er es zum Millionär bringen könnte. Das College hat der clevere Student schon längst geschmissen. Als der smarte Börsenmakler Jim (Ben Affleck) ihm die Chance bietet, als Trainee beim Broker J.T. Marlin einzusteigen, scheint alles perfekt...
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Risiko - Der schnellste Weg zum Reichtum
von Oliver Rahayel
Es beginnt wie eine jener symptomatischen Erfolgsstories der 80-er Jahre, wie „Das Geheimnis meines Erfolges“ (fd 26 323) oder „Wall Street“ (fd 26 649). Ein junger, ehrgeiziger, aber unerfahrener Mann strebt in der Finanzbranche nach oben und wird von Mentoren geleitet, die ihren Charakter oder etwaige Skrupel dem Streben nach Geld und Erfolg geopfert haben. Das Wesen des Geldmachens aber hat sich seit der frühen Yuppie-Ära geändert. Inzwischen sind die Mentoren selbst noch keine Dreißig; das Streben nach Ansehen und Macht, vor nicht allzu langer Zeit noch durchaus hoch im Kurs, gilt inzwischen als altmodisch. Was zählt, ist Geld allein, das selbstzweckhaft gehandhabt wird wie in einem Videospiel. Dieser Film gibt einen Eindruck davon, wie jene jungen Menschen arbeiten, die mit Aktien und den Vermögen anderer munter jonglieren, um damit schnellstmöglich reich zu werden.
Der 19-jährige Seth heuert in einer Finanzmakler-Firma an, einem Großraumbüro, in dem ein Haufen junger Leute vorwiegend mit Telefonieren beschäftigt ist. Schon die erste Schulungsstunde gleicht einer Gehirnwäsche. Hier sind nur Mitarbeiter gefragt, die schnell ihre erste Million machen wollen und möglichst keine Fragen stellen. Seth nimmt das ernst, arbeitet sich schnell ein und wird zu einem der Jungstars des Teams. Dadurch und wegen der sich anbahnenden Beziehung zur Rezeptionistin Abby handelt er sich die Missgunst von Greg ein, der am liebsten mit seinem Ferrari prahlt. Seth gehört dennoch bald zum inneren Kreis der Makler. Deren Freizeit-Aktivitäten beschränken sich darauf, als Gruppe die immer gleiche Kneipe zu frequentieren und dort Streit zu provozieren, der nicht selten in einer Schlägerei endet. Oder darauf, sich im teuren Eigenheim, das uneingerichtet bleibt, ein Video von „Wall Street“ anzusehen und die Dialoge mitzusprechen. Irgendwann beginnt Seth sich zu fragen, woher die ungewöhnlich hohen Profite kommen und was die angepriesenen Firmen wirklich zu bieten haben. Es stellt sich heraus, das er in einem „Boiler Room“ arbeitet, einem „Kesselraum“, in dem die Aktien von unbedeutenden oder fiktiven Firmen künstlich in die Höhe getrieben und rechtzeitig vor dem Sturz mit hohem Profit für die Makler verkauft werden - ohne Rücksicht auf die Anleger. Als ein Familienvater seine Ersparnisse solchen Geschäften opfert und sich damit ruiniert, wird Seth klar, dass er handeln muss. Gleichzeitig wird auf Seths Seite eine Vater-Sohn-Geschichte aufgerollt. Denn Seths größtes Anliegen ist es, sich den Respekt seines rüden Vaters, eines hohen Staatsanwalts, zu verschaffen. Nachdem das illegale Spielcasino in seinem Apartment dazu nicht geeignet war, soll es nun die Börse sein. Doch anstatt ihm zu imponieren, zieht er seinen Vater in die illegalen Machenschaften seines Arbeitgebers hinein, dem schon das FBI auf den Fersen ist.
In dieser Art Film wird zwangsläufig viel geredet, am Telefon, im Büro und in der Kneipe. Dem 27-jährigen Drehbuch- und Regiedebütanten Ben Younger gelingt es dennoch, eine spezielle Atmosphäre zu erzeugen: zwischen der Faszination des schnellen Geldes und der Bedrohung, die von eher unreifen Menschen ausgeht, die dieser Faszination erliegen. Der Film zeigt die Gier und die Eitelkeit sowie das zwanghafte Bestreben, menschliche Regungen außen vor zu lassen, denen man mittels der Prügeleien ein Ventil verschafft. Ben Younger selbst hatte sich für einen „Boiler Room“ beworben, den Job zwar nicht erhalten, aber lange Zeit Menschen befragt, die dort arbeiten. Die schlimmsten von ihnen nennt er „Jungfaschisten“, und tatsächlich zeigt sein Film anschaulich das Männerbündische und Chauvinistische dieser neuen Gesellschaftsschicht. Zwar lotete ein Film wie „Glengarry Glen Ross“ (fd 30 048) die psychologischen Untiefen der Verkaufsbranche gründlicher aus, und drohen Younger in der zweiten Hälfte an manchen Stellen auch der Stoff und zündende Ideen auszugehen. Dennoch ist sein Film ein ansehnlicher Versuch, das Fieber des so genannten „Turbo-Kapitalismus“ zu erfassen. Indem er die Schattenseiten des Geschäfts thematisiert, etwas, das in der allgemeinen Euphorie gerne unterschlagen wird, wirkt das beinahe wie ein heilsamer „Film zum Aktien-Boom“.
Risiko - Der schnellste Weg zum Reichtum
DVD
Originaltitel: Risiko (Thriller, USA 2000), ca. 115 Minuten
FSK 16
DVD im Handel seit 06.02.01
Extras
Starinfos; geschnittene Szenen; Audiokommentar; Trailer
Darsteller
Giovanni Ribisi (Heaven, Der Flug des Phoenix, Lost in Translation)
Ben Affleck (Pearl Harbor, Dogma, Good Will Hunting)
Vin Diesel (Der Babynator, The Fast and the Furious)
Nia Long (Big Mama's Haus 2, Alfie, Sind wir schon da?)
Stab
Regie: Ben Younger
Drehbuch: Ben Younger
Kamera: Enrique Chediak
Produktion: Suzanne Todd, Jennifer Todd
Technische Angaben
Bild: 1,85:1 (widescreen)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (5.0 Dolby Digital, Dolby Surround)
Untertitel: Deutsch (in der OF aus lizenzrechtlichen Gründen nicht ausblendbar
Angaben zum Vertrieb
Bst.-Nr. 500119, EAN 4006680021232

