Der geisteskranke Serienkiller Carl Stargher (Vincent D'Onofrio) hat es auf junge Frauen abgesehen. Doch FBI-Agent Peter Novak (Vince Vaughn) kommt ihm sehr schnell auf die Spur. Bevor Stargher verraten könnte, wo er sein letztes Opfer gefangen hält, fällt er in eine Art Koma. Novak ist unter Zeitdruck: Sollte er innerhalb der nächsten 40 Stunden die junge Frau nicht finden, wird sie in einer hermetischen Zelle, die über eine Zeitautomatik mit Wasser volläuft, qualvoll ertrinken. Als letzten Ausweg wendet Novak sich an die Psychotherapeutin Catherine Deane (Jennifer Lopez). Mit Hilfe einer neuen Methode soll sie in die Gedankenwelt des Killers eintauchen, um dort nach Hinweisen auf das Versteck zu suchen. Catherine gerät dabei jedoch in eine Alptraumwelt von so monströsen Ausmaßen, dass sie bald selbst nicht mehr zwischen virtueller und tatsächlicher Wirklichkeit unterscheiden kann. Und schließlich stellt sie fest, dass Stargher sie in seiner kranken Phantasie bereits längst erwartet hat ...
In der Presse
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The Cell
von Claus Löser
Märchenhaft sind schon die ersten Bilder, noch während des Titelvorspanns: sich weithin erstreckende Dünen mit scharf geschnittenen Schatten, satten Farben. Darin eine junge Frau und ein kleiner Junge im Wechselspiel von Annäherung und Abstoßung. Immer wieder versucht die Frau, das Vertrauen des Kindes zu wecken, doch eine unbekannte, böse Kraft tritt dazwischen, verwandelt das Kind in eine gefährliche Bestie. Die Frau schreckt zurück, gibt schließlich auf. Szenenwechsel. Die Protagonisten der Wüstenszene befinden sich nun in einer aseptischen Labor-Atmosphäre aus Glas, Stahl und zahllosen elektronischen Instrumenten. Der Zuschauer war Zeuge eines medizinischen Experiments, das zur Heilung autistischer Kinder entwickelt wurde: Durch Verbindung der neutralen Systeme von Patient und Therapeut soll dieser quasi interaktiv in die Gedankengänge des Kindes eingreifen, um dessen Hermetik aufzubrechen. Wenn die Expeditionen in die fremde Psyche für die Therapeutin zu gefährlich werden, kann sie eine elektronische Reißleine ziehen und befindet sich daraufhin augenblicklich wieder in der „wirklichen Wirklichkeit“. So geschehen im vorliegenden Fall. Catherine wird eher als ein esoterisch veranlagtes Medium beschrieben denn als medizinische Fachkraft. Nach getaner Arbeit zieht sie sich in ihr Heim voller okkulter Accessoires zurück, raucht einen Joint und sieht sich merkwürdige europäische Kunstfilme an. Doch wie es sich für ein Medium geziemt, geht es primär nicht um Catherine. Ihre Fähigkeiten wird sie im Verlauf des Geschehens im Kampf gegen ein wahrhaft gefährliches Subjekt in Anwendung bringen müssen. Carl Stargher nämlich, siebenfacher Serienmörder, der gerade vom FBI verhaftet wurde, liegt im Koma. Selbst wenn er wollte, er könnte nicht verraten, an welchem Ort sein jüngstes Opfer verborgen liegt. Unweigerlich wird die junge Frau in jenem Wassertank mit Bleichmittel ertrinken müssen, der zum perfiden Bestandteil der automatisierten Tortour gehört. Nicht zuletzt wegen der Zuneigung zu einem Special Agent beschließt Catherine, sich auf das Duell mit der menschlichen Bestie einzulassen. Man ahnt es: In buchstäblich letzter Minute sowie in der Bündelung medialer und polizeilicher Maßnahmen gelingt die Rettung des gefangenen Mädchens.
„The Cell“ gehört zum Sub-Genre des fantastischen Psychothrillers. Es macht also wenig Sinn, die mangelnde Wahrscheinlichkeit des Geschehens zu bekritteln oder kopfschüttelnd auf die in üblicher Weise vergröberte Psychologie zu verweisen. Ja, „The Cell“ kommt mit allem Bombast Hollywoods daher, wartet dementsprechend auch mit allen Schwächen auf. Aber der Film ist gleichzeitig auch mehr. Spätestens wenn sich die medial veranlagte Catherine in ihrem Appartement ein Video mit dem heute vergessenen Animationsfilm „Fantastic Planet“ (1973) von Roland Topor und René Laloux einlegt, wird klar, dass die Filmemacher zumindest vom kulturellen Wissensstand und vom ästhetischen Ehrgeiz her eine für Hollywood ausgesprochen untypische Position einnehmen. Regisseur Tarsem Singh stammt aus dem indischen Teil des Himalaja, studierte nach seiner Übersiedelung in die USA Wirtschaftswissenschaften und Film, realisierte seither Videoclips und Werbespots. Diese gewerbliche Genealogie sieht man seinem ersten Spielfilm an. Zum formalen Gelingen tragen wesentlich Kameramann Paul Laufer sowie die Ausstatterinnen April Napier und Eiko Ishioka bei. Vor allem Ishioka verblüfft immer wieder durch ihre opulenten Kostüme, die jedem Museum zur Ehre gereichen würden. Die unübersehbaren Vorzüge, ja innovativen Potenzen der Produktion beschränken sich allerdings auf jene Szenen, die im „psychonautischen“ Paralleluniversum spielen. Im Vergleich dazu fallen die konventionellen Teile deutlich ab. Ohne diese Rahmenhandlung hätte „The Cell“ tatsächlich so etwas wie eine zeitgenössische Hommage an Buñuels „Ein andalusischer Hund“ werden können.
Eine pure filmische Phantasmagorie war in Hollywood aus kommerziellen Gründen aber wohl nicht möglich. Immerhin lohnt der Film schon wegen dieser Sequenzen. In ihnen entlädt sich eine starke visuelle Energie, die zwar eine authentische Handschrift trägt, dennoch mit zahlreichen Verweisen aufwartet. Hier finden sich Piranesis labyrinthische Gebäudeschluchten, Tarkowskijs verkleinerte Kindheitshäuser (auch seine Hunde und Pferde) sowie Alejandro Jodorowskys tiefgestaffelte, zeremoniell inszenierte Räume. Zeitgenössische, aus Videokunst und Experimentalfilm kommende Einflüsse fusionieren mit diesen traditionellen Bezügen zu einer bisweilen sehenswerten Synthese. Nach diesem Blitzgewitter verlässt man das Kino ein wenig zwie gespalten. Einerseits liefert der Film in seiner Kriminalfilmebene nichts Neues, sondern kommt als neuerlicher Aufguss von „Das Schweigen der Lämmer“ (fd 28 838) daher, der seinerseits ja schon eine geschickt verpackte Zitatensammlung verkörperte. Andererseits gehören die im psychonautischen Paralleluniversum spielenden Szenen zum visuell Radikalsten, was in den letzten Jahren auf der Leinwand zu sehen war. Leider lassen sich diese Passagen im Kino nicht auskoppeln, sodass einem nichts anderes übrig bliebt, als die banale Rahmenhandlung billigend in Kauf zu nehmen.
The Cell
DVD
Originaltitel: The Cell (Sci-Fi/Fantasy, Thriller, USA 2000), ca. 105 Minuten
FSK Keine Jugendfreigabe
DVD im Handel seit 05.10.07
Extras
Isolierte Filmmusikspur; Audiokommentar; Wendecover
Darsteller
Jennifer Lopez (Out of Sight, Anaconda, U-Turn - Kein Weg zurück, Bordertown)
Vince Vaughn (Psycho, Jurassic Park, Die Hochzeits-Crasher)
Vincent D'Onofrio (Men in Black, Full Metal Jacket, Thumbsucker)
Marianne Jean-Baptiste (The 24 Hour Woman, Lügen und Geheimnisse)
Stab
Regie: Tarsem Singh
Drehbuch: Mark Protosevich
Kamera: Paul Laufer
Produktion: Julio Caro, Eric McLeod
Technische Angaben
Bild: 2,35:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch (5.1 Dolby Digital, 5.1 DTS), Englisch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch, Englisch
TRAILERAUSWAHL
Angaben zum Vertrieb
Bst.-Nr. 502017, EAN 4006680043685
