Spanien 1939. Gegen Ende des Bürgerkriegs ist das Waisenhaus Santa Lucia, das weit entfernt von der nächsten Stadt mitten in einer einsamen Ebene liegt, randvoll mit Kindern. Vor nicht allzu langer Zeit verschwand dort spurlos ein Junge und niemand hat eine Erklärung dafür. Als auch der zwölfjährige Carlos in Santa Lucia ein neues Zuhause findet, geschehen plötzlich merkwürdige Dinge. Eine schemenhafte Gestalt taucht auf. Es ist der verschwundene Santi, dessen Geist nachts durch das alte Gemäuer zieht und Carlos mit den Worten "Viele von Euch werden sterben!" verfolgt. Erst angsterfüllt, ist Carlos mit der Zeit absolut sicher, dass die weitverzeigten Kellergewölbe des Waisenhauses ganz offensichtlich ein düsteres Geheimnis verbergen. Ein grausiges Verbrechen, in das die Direktorin, der gutmütige Professor Casares und der aggressive Verwalter Jacinto irgendwie verwickelt sein müssen.
In der Presse
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The Devil´s Backbone
von Anselm Jungeblodt
Trotz einer unheimlichen Geistergeschichte und genretypischer Stilelemente ist der Film weit mehr als ein Horrorfilm. Bereits in den meisterlichen Eröffnungssequenz, die mit einer poetischen Reflexion über das Wesen des Geisterhaften unterlegt ist, wird die kunstvolle Filmsprache sichtbar. Nicht irgendein zeitloser Ort ist Schauplatz, sondern ein abgelegenes Internat auf dem Land, wo gegen Ende des Spanischen Bürgerkriegs ein Dutzend Kinder republikanischer Kämpfer Zuflucht gefunden habt. Sie haben kaum etwas zu essen und zu trinken, werden aber mit liberaler Strenge von einer beinamputierten Direktorin und ihrem alten Verehrer, einem Arzt und Wissenschaftler, versorgt. Mitten im Hof ragt eine entschärfte Bombe wie ein surreales Kunstwerk aus dem Boden, in der die Kinder das Ticken des Zünders hören wollen – für sie ist der Krieg immer noch gegenwärtig. Die Beschreibung des Geistes als „ein Gefühl, das in der Zeit erstarrt ist“ wird durch den Blindgänger sichtbar. Der Krieg wiederum gleicht einem Geist, „der dazu verdammt ist, immer und immer wieder zu kehren“. In diese Welt des Mangels, der Angst und Resignation, die der sich abzeichnende Sieg der Faschisten auslöst, gerät der etwa zwölfjährige Carlos, der – nicht ahnend, dass sein Vater tot ist – von seinem Vormund ins Internat abgeschoben wurde. Während einer nächtlichen Mutprobe entdeckt er in den Kellergewölben den Geist eines verschwundenen Waisenjungen und flieht voller Angst. Irgendetwas will der Geist von ihm. Auch ein älterer Mitschüler scheint eingeweiht. Doch warum fürchtet sich das Gespenst vor dem jungen Hausmeister? Mit wenigen Spezialeffekten entsteht eine ebenso spannende wie unheimliche Atmosphäre, unterstützt von einer großartigen Kameraarbeit, die den Bildern hintergründige Bedeutungen verleiht. Neben der psychologisch glaubwürdigen Schilderung der Ängste des Jungen und seiner existenziellen Erfahrungen erzählt der Film mit kunstvollen, mitunter surrealistischen Bildfindungen und allegorischen Figuren auch von der Entstehung des Faschismus in Spanien und dessen kollektiver Überwindung, von der ewigen Wiederkehr menschlicher Gewalt und vom Leid des Krieges. Grob interpretiert, mag man in der beinamputierten Direkorin namens Carmen, die sich dem Hausmeister hingibt, den geistigen Zustand des traditionellen spanischen Bürgertums in den 30er-Jahren verkörpert sehen. Dr. Casares, dessen ausländische Nationalität nicht genannt wird, steht für den kraftlosen abendländischen Geist der Aufklärung, der nicht mehr an sich selbst glaubt. Als utopischen Vorgriff auf die Überwindung des Faschismus deutet der Schluss hin, in der die Kinder den Schuldigen seinem Opfer, dem Geist gewordenen Kind, ausliefern wollen.
The Devil´s Backbone
DVD
Originaltitel: El espinazo del diablo (Horror, Thriller, Spanien / Mexiko 2001), ca. 103 Minuten
FSK 16
DVD im Handel seit 25.02.03
Extras
Trailer; Behind the Scenes; Making of; Storyboards; Interview mit Regisseur Guillermo del Toro
Darsteller
Marisa Paredes (Das Leben ist schön, Alles über meine Mutter)
Eduardo Noriega (Open your Eyes, Guerreros)
Federico Luppi (Men with Guns, Die tödliche Grenze)
Fernando Tielve (The Shanghai Spell)
Stab
Regie: Guillermo Del Toro
Drehbuch: Guillermo Del Toro, Antonio Trashorras, David Munoz
Kamera: Guillermo Navarro
Produktion: Augustion Almodóvar, Bertha Navarro
Technische Angaben
Bild: 1,85:1 (anamorph )
Sprachen/Ton: Deutsch, Spanisch 5.1 (Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch
Angaben zum Vertrieb
Bst.-Nr. 500585, EAN 4006680028385
