Der Frauenmörder Jack Unterweger wurde 1974 zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis schrieb er seine Autobiografie und Theaterstücke, die ihn so berühmt machten, dass er aufgrund einer Petition von 700 Intellektuellen vorzeitig entlassen wurde. Wieder in Freiheit nutzte er seine literarischen Vortragsreisen jedoch, um weitere Morde in Prag, Los Angeles und Wien zu begehen. John Malkovich liest als Jack Unterweger seine „wahre“ Autobiografie. Zwei Frauen kreuzen seinen Weg. Ihre Gesänge aus dem 18. Jahrhundert reflektieren mit wachsender Spannung die Gefühle und Lebenszustände der weiblichen Opfer.
Musikalische Theateradaption über den Serienkiller und Schriftsteller Jack Unterweger mit John Malkovich als abgrundtief böser Psychopath. Arien von Haydn, Mozart, Weber und Vivaldi stehen im Kontrast zum gesprochenen Text.
Fotos © Nathalie Bauer und Olga Martschitsch
In der Presse
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The Infernal Comedy
von Marie Anderson
Auch wenn diese Theateraufführung live aus dem Ronacher Theater in Wien vom Juli 2009 als Drama für einen Schauspieler, zwei Sängerinnen und Orchester ausgewiesen ist, ist es dieser Mann, der in ebenso lässiger wie höchst professioneller Manier das Stück dominiert, das in diesem Sommer auf Welttournee ging: Der US-amerikanische Charakterdarsteller John Malkovich. Mit seiner charismatischen Bühnenpräsenz fasziniert er als legendärer österreichischer Schriftsteller und Frauenmörder Jack Unterweger sein begeistertes Publikum, und zwar sozusagen posthum, indem er als bereits durch Suizid verschiedener Verurteilter seine „wahre“ Autobiographie präsentiert – Confessions of a serial killer.
In der Situation einer skurrilen Autorenlesung begrüßt der tote Serienkiller Jack Unterweger (John Malkovich) im Wiener Ronacher Theater die zahlreich erschienenen Zuhörer, plaudert mit eleganter Eloquenz über seinen Verleger, ergeht sich in ironischen Scherzen und kündigt umfangreiche Geständnisse seines neuen, posthum verfassten Romans an, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er noch niemals ein wahres Wort geschrieben habe. Mit diesem starken Auftakt, der sofort eine gute Verbindung zum Publikum entstehen lässt, beginnt das schräge Stück The Infernal Comedy – Confessions of a Serial Killer des österreichischen Regisseurs Michael Sturminger, das musikalisch vom Orchester Wiener Akademie sowie von den Sopranistinnen Laura Aikin und Aleksandra Zamojska begleitet wird, die szenisch in Interaktion mit John Malkovich einige Frauen darstellen, denen der gebildete Mörder auf verhängnisvolle Weise begegnet ist.
Eingebettet in sakral anmutende Arien und vom Orchester intonierte Stücke von den Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Vivaldi, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Christoph Willibald Gluck, Luigi Boccherini und Carl Maria von Weber ereignet sich hier eine fesselnde, oftmals zynische fiktive Selbstdarstellung des berühmten Frauenmörders, die ebenso unterhaltsam wie tiefgründig daherkommt. Die großartigen Monologe, die John Malkovich ganz hervorragend transportiert, sprühen vor Wortwitz und philosophischen wie politischen Anspielungen, flankiert von den galgenhumorig-gruselig erscheinenden Spielszenen mit den beiden Sopranistinnen. Die direkte Publikumsansprache kreiert eine Atmosphäre von dynamischer Lebendigkeit, die gelungen mit den Erwartungen der Zuschauer und den Aspekten der Sensationslust jongliert. Das ist ganz großes, selbstreferentielles Theater, dessen vielschichtige Intensität auch in der filmischen Aufzeichnung erhalten bleibt.
Das Stück The Infernal Comedy – Confessions of a Serial Killer, das nun mit einer ausführlichen Dokumentation über seine Entstehung als Bonusmaterial auf DVD erscheint, spielt souverän mit den gängigen Klischees über den Serienmörder Jack Unterweger, der seinerzeit nach seiner Haftentlassung als rehabilitiert galt, bis er weiterhin einige Frauen tötete und sich nach seiner erneuten lebenslänglichen Verurteilung im Gefängnis erhängte. Die absurde Fiktion seiner posthumen Geständnisse bereitet ein höllisches Vergnügen, auch wenn einem bei Zeiten auf Grund der letztlichen Tragik für die Opfer auch schon einmal das Lachen vergeht. Doch genau in dieser ambivalenten Brisanz liegt die mitunter geradezu magische Qualität dieses Stückes, das in der Tat dämonische Züge aufweist.
The Infernal Comedy
DVD
Originaltitel: The Infernal Comedy - Confessions of a serial killer (Musikfilm, Österreich 2008), ca. 102 Minuten
FSK 12
DVD im Handel seit 05.08.10
Extras
Inside „The Infernal Comedy“: Dokumentation mit Interviews mit den Künstlern; Auszüge aus den Proben sowie Archivmaterial über den Serienkiller Jack Unterweger; Trailer; Wendecover
Darsteller
John Malkovich (Being John Malkovich, Gefährliche Liebschaften, Der fremde Sohn)
Laura Aikin (Die Entführung aus dem Serail)
Aleksandra Zamojska (L’Elisir d’amore)
Stab
Regie: Michael Sturminger
Technische Angaben
Bild: 1,78:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Englisch, Italienisch (Arien) (PCM Stereo, 5.1 DD, DTS 5,1))
Untertitel: Englisch (Arien), Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Angaben zum Vertrieb
Bst.-Nr. 503201, EAN 4006680055749
