The Minus Man

Ein kleiner verschlafener Ort an der Westküste scheint für den schüchternen Truckfahrer Vann Siegert genau der richtige Platz, um sich niederzulassen. Die Dorfbewohner mögen den sympathischen jungen Mann, schnell findet er eine passende Bleibe, einen Job bei der Post und sogar eine Freundin. Doch als plötzlich Menschen spurlos verschwinden, zieht die Angst im Dorf ein. Zu spät bemerken die Einheimischen, welch düsteres Geheimnis sich hinter der harmlosen Fassade des sanften Blonden verbirgt ...

„Blade Runner“-Drehbuchautor Hampton Fancher ließ den raffiniert gegen den Strich besetzten Sunnyboy Owen Wilson in diesem spannenden Serienkiller-Thriller zur Hochform auflaufen. US-Musikstar Sheryl Crow überzeugt bei ihrem ersten Filmauftritt in einer Nebenrolle.

In der Presse

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The Minus Man

von Oliver Rahayel

Wie sieht ein Mörder aus, und wie verhält er sich? In manchen Filmen versteckt er sich in der Gestalt eines Biedermanns, in anderen in der eines Mitschülers. Hier ist es ein hübscher, zuvorkommender, unauffälliger blonder junger Mann, der als Serienkiller durch den Mittelwesten der USA zieht. Das Verblüffende an diesem Serien-Killer-Film ist, dass man fast nichts von den Verbrechen sieht. Man sieht eigentlich nur den netten Jungen Vann, der bei einer braven Familie unterkommt, im Zimmer der Tochter, die auf dem College ist. Aber ebenso wenig, wie die Tochter tatsächlich auf dem College ist, handelt es sich bei dem Ehepaar um brave, geistesgesunde Bürger. Die Frau verbirgt nur mit Mühe die Abneigung gegen ihren älteren Mann, dieser stellt sich als weinerlicher Masochist heraus, und beide zusammen benutzen Vann als eine Art Ersatzkind. Er bekommt von ihnen einen Job als Postsortierer, ein Weihnachtgeschenk, Kekse - und als Zugabe all den Murks zu hören, der sich mit der Zeit in der Familie angesammelt hat. Vor diesem Hintergrund wirkt Vann fast selbst wie ein Opfer, ein harmloser Junge, der nur ein wenig mit seinem Pickup den Westen durchfahren wollte und sich nun mit frustrierten Kleinstädtern herum plagen muss. Dass er zwanghaft Leute umbringt, weiß man nur dank zweier Hinweise. Der Erste ist am Anfang zu finden, als Vann auf eine arme Trinkerin und Fixerin trifft (gespielt von Rock-Star Sheryl Crowe.) In den Flachmann mit Amaretto, den er stets im Handschuhfach mit sich führt, gibt er nur einige Gramm braunen Pulvers, und die Frau schläft ein. Das ist es, was er mag, sagt Vann aus dem Off, kein Blut, kein Kampf, sondern ein einfacher Tod, Mission erfüllt. Dies ist der zweite Hinweis, die Erzählstimme eines kranken Geistes, die zu Vann gehört und die dem Geschehen ständig einen doppelten Boden verleiht, einen tiefen Killer-Abgrund unter all den flachen Kleinstadtabgründen.

Hampton Fancher wurde berühmt als Drehbuchautor von „Blade Runner“ (fd 23 689), trat danach aber als Autor nur noch für einen mittelmäßigen Carl-Schenkel-Krimi („Big Bad Man“, fd 28 229)in Erscheinung. Für seine Verfilmung eines Romans von Lew McCreary hat er einen einzigartigen Inszenierungsstil gefunden, der mit dem Genre des „serial killer movies“ nichts mehr gemein hat. Er zelebriert eine Subtilität, die zunächst kaum etwas von den Schattenseiten verrät, die die Oberfläche - und das ist hier praktisch die gesamte Filmhandlung - zu bieten hat. Diese Diskrepanz zwischen Sehen und Wissen, zwischen Vortäuschung und Wahrheit führt zu einem Gefühl ständiger Bedrohung. Denn die inneren Stimmen lassen Vann nicht ruhen. Der eine oder andere Dorfbewohner verschwindet dann auch tatsächlich von der Bildfläche, einfach, wie es heißt, weil Vann es dazu drängte. Fast nur in den inneren Monologen äußert sich ein beängstigendes Krankheitsbild, das auch zu so etwas wie neurotischem Verhalten führt. So vermeidet Vann möglichst, dieselben Wege zu gehen wie sein Vorgänger im Job des Postboten, einfach, um in keinen noch so geringen Kontakt mit ihm zu treten - ein Toter zumal, den er nicht selbst auf dem Gewissen hat. Für andere sichtbar ist Vanns Krankheit nur in wenigen kleinen Szenen. So ist er unfähig, sich auf das Werben einer jungen Kollegin einzulassen; als er aber später einmal die Gelegenheit für gekommen sieht, stürzt er sich einfach auf sie, wird weggestoßen und krümmt sich daraufhin in Schuldbewusstsein. So offenbaren Vanns Monologe ein Seelenleben, das nicht gesund, mit sich selbst aber auf eine sonderbare Art im Reinen ist. Vielleicht kommt das jenem Verhalten am Nächsten, von dem Serienmörder immer reden: Ein mühsam aufrecherhaltenes seelisches Gleichgewicht gerät durch die Zwänge zum Töten in Gefahr und muss durch einen Mord wieder erlangt werden. Dass es sich bei der Figur des Mörders um einen bescheidenen, gut aussehenden Jungen handelt, zeigt, wie wenig man eigentlich darüber weiß, auch nicht nach zahllosen Filmen, wie ein Mörder aussieht und wie er sich verhält.





DETAILS

The Minus Man

DVD
Originaltitel: The Minus Man (Thriller, USA 1998), ca. 107 Minuten
FSK 12
DVD im Handel seit 21.09.07

Extras

Interview mit Hampton Fancher (Regie) und Lew McCreary (Romanvorlage); Fotogalerie; Starinfos; Presseheft als DVD-ROM-Part; Trailer

Darsteller

Owen Wilson (Die Royal Tenenbaums, Starsky & Hutch, Permanent Midnight)
Brian Cox (Troja, Manhunter – Roter Drache, Match Point)
Janeane Garofalo (Permanent Midnight, Dogma, Stay)
Sheryl Crow (Studio 54, De-Lovely – Die Cole Porter Story)

Stab

Regie: Hampton Fancher
Drehbuch: Hampton Fancher
Kamera: Bobby Bukowski
Produktion: Fida Attieh, David L. Bushell

Technische Angaben

Bild: 1,78:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch

Angaben zum Vertrieb

Bst.-Nr. 501754, EAN 4006680041001







 
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