Im Institut für Kybernetik und Zukunftsforschung haben Wissenschaftler eine künstliche Welt erschaffen, die die reale imitiert. Nach dem überraschenden Ableben des Institutsleiters scheint seinen Nachfolger Fred Stiller das gleiche Schicksal zu ereilen. Denn auch Stiller muss feststellen, dass die Realität, in der er lebt, womöglich nur eine Simulation ist.

Die DVD erscheint zeitgleich mit der Weltpremiere der restaurierten Fassung auf der Berlinale 2010! Über 37 Jahre war der zweiteilige Film nicht mehr zu sehen und ist nun endlich mit perfektem Bild und Ton ausgestattet. Überwacht wurde die Restauration von Kameramann Michael Ballhaus („Departed – Unter Feinden“). Fassbinders geniale Zukunftsvision nimmt „The Matrix“ 26 Jahre vorweg!

In der Presse

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Welt am Draht / Arthaus Premium

von Marie Anderson

Lässt sich der deutsche Filmemacher Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) auch in vielerlei Hinsicht als Visionär bezeichnen, so kommt diese Komponente seines Schaffens bei Welt am Draht aus dem Jahre 1973 noch einmal in ganz besonderer Weise zum Tragen. Dieser komplexe Film über faszinierende Facetten der so bezeichneten Realität, der bei der diesjährigen Berlinale in einer unter der künstlerischen Leitung von Michael Ballhaus restaurierten Fassung zu sehen war, beschwört im Ausloten von Schein und Wirklichkeit die Untiefen und Abgründe grundlegender Prämissen und Dimensionen menschlichen Bewusstseins. Basierend auf dem Roman Simulacron-3 des US-amerikanischen Schriftstellers Daniel F. Galouye von 1964 entwirft Fassbinder in diesem Zweiteiler ein gespenstisches Szenario um Virtualität und Simulation, das den Zuschauer in einen Strudel von Trugbildern entführt, die die gängigen Grundannahmen über das Sein in der Welt kräftig perturbieren.

Nachdem Professor Vollmer (Adrian Hoven) während der Leitung des Projekts Simulacron 1 am Institut für Kybernetik und Zukunftsforschung unter rätselhaften Umständen unvermittelt verstorben ist, wird der Wissenschaftler Dr. Stiller (Klaus Löwitsch) zu seinem Nachfolger bestimmt. Doch die intensive Beschäftigung mit dem innovativen, überdimensionierten Computer, der einen Minikosmos von Identitäten erschafft und komplexe gesellschaftliche Prozesse der Zukunft präzise konstruieren kann, stürzt Dr. Stiller in eine erschütternde Bewusstseinskrise, die auch seinen Kollegen nicht verborgen bleibt. Er beginnt, sich auch emotional für diese virtuelle Welt zu engagieren, die doch nur eine (vermeintliche) Simultation darstellt. Die kuriosen Ereignisse in seiner Wahrnehmung häufen sich, und vor allem die Identitätseinheit „Einstein“ (Gottfried John) stiftet mit ihrem Drang über die Grenzen der eigenen Virtualität hinaus erhebliche Verwirrung, die bald das gesamte Leben des Wissenschaftlers beherrscht ...

Seinerzeit vom WDR produziert birgt dieser ungeheuer dichte Film eine kuriose Schauspielertruppe, die in den Nebenrollen mit markanten Gestalten wie dem Filmemacher Ulli Lommel, dem Schlagersänger Bruce Low und dem einstigen „Sponti“ Rainer Langhans besetzt ist. Das Spiel mit dem Spiel um Realitäten ist durch starke Bilder von einer Atmosphäre schwelender Eindringlichkeit bestimmt, die durch permanent präsente Elemente wie Videokameras, Spiegel und Glas verdichtet wird. Welt am Draht jongliert gekonnt mit den vielschichtigen Ebenen von Wahrnehmung, Bewusstsein sowie Konstruktion und demaskiert eine objektive Realität als Ausprägung einer Deutungshoheit – eine Erkenntnis, die in diesem Universum zunächst als Wahn deklariert wird, der letztlich allerdings lediglich als weitere Wirklichkeitsvariante bewertet wird. Insbesondere für die damalige Zeit, aber auch heute noch stellen diese philosophischen Betrachtungen ein immens spannendes, nachhaltig anregendes Territorium dar.

Im Begleitmaterial der Doppel-DVD, die als Arthaus Premium Edition erscheint, befindet sich ein ganzer Fundus an ansprechendem Begleitmaterial, das auch die Dokumentation Fassbinders "Welt am Draht" – Blick voraus ins Heute von Juliane Lorenz, den Interviewfilm Rainer Werner Fassbinder, 1977 von Florian Hopf und Maximiliane Mainka sowie die Kurzfilme Das kleine Chaos und Der Stadtstreicher von Rainer Werner Fassbinder umfasst. Der ungefällige, exzentrische Regisseur bemerkt im Interview, dass er das dunkle, dumpfe Gefühl loswerden wolle, ständig observiert zu sein, ständig unter Beobachtung zu stehen. Diese persönliche Paranoia findet in Welt am Draht einen besonders intensiven Ausdruck, wo das Motiv der permanenten Oberservation einen ganz zentralen Aspekt darstellt, wobei die Macht, die letztlich die Drähte zieht, in den Prozessen der Beobachtungsmaschinerie verborgen bleibt – ein wuchtiger, packender wie avantgardistischer Film, den der modernen Mainstream längst nicht eingeholt hat.





DETAILS

Welt am Draht / Arthaus Premium

DVD Digipak 2er
Originaltitel: Welt am Draht (Sci-Fi/Fantasy, Deutschland 1973), ca. 204 Minuten
FSK 16
DVD im Handel seit 18.02.10

Extras

„Fassbinders ‚Welt am Draht’ – Blick voraus ins Heute“; „Rainer Werner Fassbinder, 1977“; Fassbinders Kurzfilme „Das kleine Chaos“ und „Der Stadtstreicher“; Fotogalerie; Filmhistorische Dokumente als PDF; Booklet mit einem Text des Filmwissenschaftlers Bernd Perplies

Ansicht Packshot

Darsteller

Klaus Löwitsch (Peter Strohm, Die Ehe der Maria Braun)
Günter Lamprecht (Das Boot, Comedian Harmonists)
Gottfried John (James Bond – Golden Eye, Berlin Alexanderplatz)

Stab

Regie: Rainer Werner Fassbinder

Technische Angaben

Bild: 1,33:1 (4:3 Vollbild)
Sprachen/Ton: Deutsch Mono DD

Angaben zum Vertrieb

Bst.-Nr. 503020, EAN 4006680053929







 
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